Tschechien ist Weltmeister

16. Mai 2005, 21:26
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Das Team um Jaromir Jagr feiert einen überzeugenden 3:0-Sieg gegen die stotternde Tormaschine von Titelverteidiger Kanada

Wien - Die Wiener Stadthalle ist eine Goldgrube für die tschechische Eishockey-Mannschaft. 1996 feierten die Tschechen in der Arena auf dem Vogelweidplatz mit dem WM-Triumph ihren ersten großen sportlichen Erfolg als eigenständiges Land, am Sonntag holten sie sich wieder gegen Kanada ihren fünften WM-Titel. In einer Neuauflage des damaligen Endspiels gewann die Mannschaft von Vladimir Ruzicka gegen den Rekord-Weltmeister mit 3:0 (1:0,0:0,2:0) und entthronte die zuletzt zwei Mal erfolgreichen Kanadier.

Vorbereiter Jagr

Vaclav Prospal und Martin Rucinsky sorgten jeweils nach Vorarbeit von Superstar Jaromir Jagr vor 8.400 Zuschauern in der ausverkauften Stadthalle für die Entscheidung. Prospal erzielte nach 4:13 Minuten die frühe Führung, Rucinsky erhöhte in der 44. Minute auf 2:0, Josef Vasicek fixierte 53 Sekunden vor Schluss mit einem "empty-net"-Treffer den Enstand.

Prospal Sieger gegen Brodeur

Ausschließlich NHL-Spieler standen im Finale der bestbesetzten WM aller Zeiten mit über 120 Spielern aus der stärksten Liga der Welt auf dem Eis. Und der größte Star des Turniers setzte auch den ersten Akzent. Jaromir Jagr, mit elf Millionen Dollar Bestverdiener unter den Eishockey-Spielern, leitete mit einem seiner unnachahmlichen Vorstöße auf der rechten Seite die Führung für Tschechien ein. Über Jagr und Rucinsky, die in der neu formierten ersten Linie zusammengespannt wurden, kam die Scheibe zu Vaclav Prospal, der Stürmer der Anaheim Mighty Ducks bezwang Kanadas Torhüter Martin Brodeur zum 1:0 (5.).

Keeper Voukoun meisterlich

Trotz des frühen Treffers konnte das Finale der 69. Weltmeisterschaft aber nicht ganz an die mitreißenden Partien im Viertel- und Halbfinal anschließen. Sowohl Tschechien (3:2 nach Verlängerung gegen Schweden) als auch Kanada (4:3 gegen Russland) hatte am Vortag im Halbfinale hart zu kämpfen. Die von tausenden Landsleuten angefeuerten Tschechen steckten die kürzere Regenerationszeit aber leichter weg und wirkten spritziger. Kanada, bis dahin mit 35 Toren offensivstärkste Mannschaft, konnte sich gegen die kompakte Defensive nicht wie gewohnt durchsetzen und fand auch in Torhüter Tomas Voukoun seinen Meister.

Rucinsky bezwingt Brodeur erneut

Kanada übernahm zwar ab dem zweiten Drittel das Kommando, doch Anfang des Schlussdrittels schlugen die Tschechen neuerlich zu. Nach einem genialen Pass von Jagr zog Rucinsky (Montreal Canadiens) aus der Distanz ab und bezwang Brodeur zum 2:0. (44.), Vasicek traf in der Schlussminute, als Brodeur sein Tor für einen sechsten Feldspieler verlassen hatte, zum Endstand. Zwölf Sekunden vor der Schlusssirene entluden sich die Emotionen in einem Massen-Gerangel, der Feierstimmung bei den Tschechen tat dies keinen Abbruch.

Jagr und Slegr im "Triple Gold Club"

Tschechien verwehrte dem Mutterland des Eishockeys den ersten Gold-Hattrick seit 1952. So übergab IIHF-Präsident Rene Fasel den 10 kg schweren und 46 cm großen Silberpokal an den tschechischen Kapitän David Vyborny. Für Jagr und Jiri Slegr bedeutet der WM-Titel zudem die Aufnahme in einen nun 16 Spieler umfassenden elitären Kreis, dem "Triple Gold Club". Erst 16 Spieler haben in der NHL den Stanley Cup sowie Gold bei Olympia und bei einer Weltmeisterschaft gewonnen. (APA/red)

  • Kanada - Tschechien 0:3 (0:1 0:0 0:2) Wien, Stadthalle, 8.400 Zuschauer (ausverkauft) SR Andersson/Hamalainen/Karlsson (SWE/FIN/SWE) Strafminuten: 20 bzw. 20.

    Tore: Prospal (5.), Rucinsky (44.), Vasicek (60./empty net)

    Tschechien: Vokoun - Slegr, Th. Kaberle; Kubina, Spacek; Zidlicky, Fischer; F. Kaberle, Hejda - Jagr, Cajanek, Rucinsky; Dvorak, Prospal, Straka; Hlavac, Vyborny, Hemsky; Sykora, Vasicek, Varada

    Kanada: Brodeur - Boyle, Redden; Jovanovski, Regehr; Phillips, Souray; Hannan - Doan, Draper, Maltby; Nash, Thornton, Gagne; Heatley, Morrison, Smyth; Walker, Marleau, Morrow

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      Fünfter WM-Titel für Tschechien, der erste seit der Weltmeisterschaft 1996 in Wien.

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      Prospal (5./im Bild), Rucinsky (44.), Vasicek (60./empty net) und Co. stahlen Nash, Thornton, Heatley und Co. klar die Show.

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