Finnlands Papierindustrie droht folgenschwerer Arbeitskampf

20. Mai 2005, 16:52
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Landesweiter Streik bis Mittwoch - Arbeitgeber drohen mit zweiwöchiger Aussperrung

Helsinki - Nach dem vorläufigen Zusammenbruch der Verhandlungen zwischen der finnischen Papiergewerkschaft und der Industrie am Samstag droht Finnland ein kostspieliger Arbeitskampf. Ab Sonntagabend wird in den insgesamt rund 60 Papier- und Zellulosefabriken des Landes sowie in zahlreichen kleineren Produktionsbetrieben gestreikt. Wenn bis Mittwoch früh nicht doch noch eine Einigung erzielt wird, droht die Forstindustrie mit einer zweiwöchigen Aussperrung.

Unterstützt wird der Streik durch Sympathiemaßnahmen der Papiergewerkschaft im Nachbarland Schweden, die in den kommenden drei Tagen für die zehn schwedischen Betriebsstätten des Papierkonzerns Stora Enso eine Überstundenblockade verhängte. In den vergangenen Wochen war der seit rund einem halben Jahr in Finnland schwelende Konflikt durch einzelne Streiks schrittweise eskaliert.

Hauptstreitpunkte

Einer der Hauptstreitpunkte ist die von der Papierindustrie aus Wettbewerbsgründen geforderte Abschaffung der traditionellen Betriebskurzferien im Juni und Dezember. Laut Gewerkschaftschef Jouko Ahonen wären die Papierarbeiter bereit, zu Weihnachten und zu Mittsommer zu arbeiten, wenn sie dafür Zeitausgleich bekämen. Weiterer Knackpunkt ist die geplante Herauslösung verschiedener Aufgaben wie Service und Reinigung aus dem Kollektivvertrag der Papierindustrie.

Sonntag früh hatten etliche finnische Papierbetriebe bereits mit dem Abstellen der Maschinen begonnen. Nach Berechnungen der Forstindustrie kostet jeder Tag, an dem die Papierindustrie in Finnland stillsteht 40 Mio. Euro. Rund acht Prozent des finnischen Bruttoinlandsprodukts wird im Forst- und Papiersektor erwirtschaftet.

Wirtschaftswachstum

Vom Produktionsstopp unmittelbar betroffen sind auch das Transportgewerbe und die Häfen. Ökonomen zufolge würde ein einmonatiger Arbeitskampf in der Papierbranche das gesamte Wirtschaftswachstum Finnlands um einen halben Prozentpunkt mindern.

Der am Samstagabend ausgerufene Streik soll vorerst bis Mittwoch früh dauern. Am Dienstag wollen Gewerkschaft und Forstindustrie noch einen Anlauf für eine Einigung nehmen. Während der Arbeitsmarktchef der Forstindustrie, Arto Tähtinen, nicht an eine Lösung bis Mittwoch glaubt, ist Gewerkschaftschef Ahonen vorsichtig optimistisch: Angesichts der drohenden 14-tägigen Aussperrung und den wirtschaftlichen Folgen einer derartigen Maßnahme, könne man beidseitig auf Bewegung hoffen, sagte Ahonen der schwedischsprachigen Tageszeitung "Hufvudstadsbladet" (Sonntagsausgabe). (APA)

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