Anschläge auf Industriebetriebe im Baskenland

23. Mai 2005, 21:54
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Drei Menschen verletzt - Polizei vermutet Terror der ETA

Madrid - Auf Industriebetriebe im spanischen Baskenland sind am Sonntag vier Bombenanschläge verübt worden. Bei einer Explosion in einer Chemieanlage wurden nach Angaben des Innenministeriums zwei Polizisten und ein Wachmann leicht verletzt, weil sie giftige Gase einatmeten. Die Polizei vermutete die baskische Untergrundorganisation ETA hinter den Anschlägen.

Die Bomben detonierten in der Nacht binnen einer Stunde in vier Ortschaften der Provinz Guipuzcoa. Angriffsziel waren zwei Chemieanlagen, eine Farbenfabrik und ein Metall verarbeitender Betrieb. In Bergara traten giftige Gase aus und verletzten zwei Menschen. Eine unbestimmte Menge des Gifts sei in einen Fluss gelaufen, sagte eine Mitarbeiterin des Innenministeriums. Erst am Samstag hatte der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero der ETA Verhandlungen angeboten, wenn sie der Gewalt abschwöre.

Der konservative Oppositionsführer Mariano Rajoy bezeichnete den Vorstoß Zapateros als großen Fehler. Das Angebot sei verfrüht und gelte einer terroristischen Gruppe, die noch immer Gewalt anwende. Die Regierung solle stattdessen versuchen, die ETA mit polizeilichen Mitteln zu zerschlagen, forderte Rajoy. Eine deutliche Mehrheit der Spanier unterstützte dagegen in einer Umfrage Zapateros Vorschlag. In einer am Samstag in der Tageszeitung "El País" veröffentlichten Erhebung sprachen sich 61,4 Prozent für Verhandlungen aus, 28,8 Prozent dagegen.

Die Abgeordneten sollen am Dienstag über den Vorstoß abstimmen. Zapatero schloss politische Zugeständnisse wie eine Unabhängigkeit des Baskenlandes allerdings aus. Bei Verhandlungen könne es nur um die Bedingungen für eine Auflösung der ETA und um das Schicksal der mehr als 500 ETA-Häftlinge gehen. Die baskische Untergrundorganisation wird für den Tod von mehr als 800 Menschen in den vergangenen drei Jahrzehnten verantwortlich gemacht. Friedensgespräche scheiterten 1989 und ebenfalls 1999. (APA/AP)

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