Malaysia empört über angebliche Koran-Entweihung in Guantanamo

18. Mai 2005, 18:24
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Premier: Berichte haben viele Moslems wütend gemacht

Kuala Lumpur - Das mehrheitlich moslemische Malaysia hat mit Empörung auf Berichte über eine Entweihung des Koran durch die USA reagiert. "Wir sind angesichts des Vorfalls betrübt, da er Moslems erniedrigt", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Bernama Ministerpräsident Abdullah Ahmed Badaui am späten Samstagabend. Berichte über eine Koran-Entweihung auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay in Kuba hätten viele moslemische Nationen wütend gemacht, sagte Abdullah.

Als Grund für die Angreifbarkeit der moslemischen Länder nannte er deren wirtschaftliche Schwäche. "Wenn wir nicht schwach sind, wenn wir progressiv und stark sind, kann uns niemand belästigen", sagte er.

Malaysia führt die 57 Mitglieder umfassende Organisation der Islamischen Konferenz an. Vergangene Woche erklärte Abdullah, in moslemischen Ländern befänden sich zwar rund 70 Prozent der weltweiten Ölvorräte. Fast die Hälfte der 57 Mitgliedsländer seien von den Vereinten Nationen aber als die am wenigsten entwickelten Länder eingestuft.

Koran in der Toilette

Das Magazin Newsweek hatte in seiner Ausgabe vom 9. Mai berichtet, Ermittler im US-Militärgefängnis Guantanamo Bay hätten den Koran auf Toiletten ausgelegt und in mindestens einem Fall auch hinuntergespült. Moslems betrachten den Koran als das unmittelbare Wort Gottes und behandeln jedes Exemplar mit großer Ehrfurcht. Der Bericht hatte in Afghanistan die heftigsten anti-amerikanischen Proteste ausgelöst, seit US-Truppen 2001 einmarschiert waren, um das radikal-islamische Taliban-Regime zu stürzen. Bei den Protesten der vergangenen Tage starben bisher 16 Afghanen, mehr als hundert Menschen wurden verletzt. (APA/Reuters)

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