Nachlese: 1014 Kandidaten für das Präsidentenamt

29. Mai 2005, 17:47
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Wächterrat entscheidet über Zulassungen - Rafsandjani haushoher Favorit - Auch 93 Frauen unter den Anwärtern - Wahl am 17. Juni

Nach neuesten, unabhängig voneinander durchgeführten Umfragen vier Wochen vor den Präsidentenwahlen im Iran wollen nur 41 Prozent der Iraner zu den Urnen gehen. Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani wird von 37 Prozent der Wähler favorisiert, vor zwei Wochen war er noch auf 25 Prozent gekommen.

An zweiter Stelle steht mit knapp 15 Prozent der ehemalige Chef des iranischen Rundfunks und Fernsehens, Ali Larijani, der als Kandidat der pragmatischen Konservativen gilt, danach kommt fast genauso stark der ehemalige Polizeichef Mohammed Bagher Ghalibaf als Ultrakonservativer. Weit abgeschlagen ist mit unter sechs Prozent der Exparlamentspräsident Mehdi Karubi, und noch schlechter steht der von den Liberalen unterstützte ehemalige Wissenschaftsminister Mostafa Moien da. Das Interesse an ihm ist schon deshalb gering, weil viele damit rechnen, dass seine Kandidatur vom Wächterrat nicht erlaubt wird.

Unschlüssig

Noch gibt es eine ganz Flut an Kandidaten, bis zum letzten Termin am Samstag haben sich 921 Männer und 93 Frauen registrieren lassen. Spätestens am 27. Mai wird man wissen, wer von ihnen für die Wahlen am 17. Juni übrig bleibt, wahrscheinlich weniger als ein Dutzend.

Die Konservativen waren am Wochenende noch immer unschlüssig, ob es eine Wahlempfehlung für einen einzelnen Kandidaten geben wird, diese Entscheidung soll heute, Dienstag, fallen, es könnte auf eine Einigung auf Larijani hinauslaufen. Auf die Kandidatur Rafsandjanis, die sie höchstwahrscheinlich der Chancen auf das Präsidentenamt beraubt, reagieren die Konservativen, indem sie ihn als Auslaufmodell darstellen. Rafsandjani nahe stehenden Zeitungen versuchen ihrerseits, Larijanis iranische Nationalität in Frage zu stellen, weil er in Najaf im Irak geboren wurde und "erst" mit sechs Jahren in den Iran kam.

Der Atomstreit wirft ebenfalls seinen Schatten auf die Präsidentenwahl. Die Zeitung Keyhan kommentierte, dass nur jemand gewählt werde, der bereit sei, die iranische Atompolitik zielstrebig weiterzuführen. "Ein Kandidat, der auf Urananreicherung verzichten will, ist für dieses Amt nicht geeignet", schreibt Keyhan in Anspielung auf Äußerungen Moeins. Dieser hatte in einem Interview gesagt, dass er als Präsident bereit wäre, auf die Urananreicherung zu verzichten, falls iranische Interessen dies erforderten.

Ein Geplänkel am Rande gibt es zwischen Präsident Mohammed Khatami und dem Teheraner Oberbürgermeister Mahmud Ahmadi Nejad, einem Liebkind der Ultras, welcher ebenfalls kandidiert: Khatami, der sich bis jetzt jeder Äußerung über die Wahlen enthalten hatte, kritisierte Nejad wegen der Verkehrssituation in Teheran und wurde daraufhin seinerseits von den konservativen Blättern geprügelt. Khatami war wegen eines Verkehrsstaus verspätet zu einer Sitzung gekommen und hatte kommentiert, dass diejenigen, die nach höheren Ämtern streben, erst einmal versuchen sollten, ihr Haus in Ordnung zu bringen. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.5.2005)

Amir Loghmany aus Teheran
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    Ein iranischer Student registriert sich in Teheran als Kandidat für die Präsidentenwahl am 17. Juni.

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    Ein junger Kandidat für das Präsidentenamt

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