Konservative schicken Ex-Rundfunkchef in Präsidentenrennen

16. Mai 2005, 18:45
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Ali Larijani gegen Zugeständnisse bei Atomprogramm - Rafsandjani in Umfragen vorn

Teheran - Kurz vor Ablauf der Registrierungsfrist für die Präsidentschaftswahlen im Iran hat am Samstag auch der offizielle Favorit des ultra-konservativen Lagers seine Kandidatur angemeldet.

Der ehemalige Chef des Staatsrundfunks, Ali Larijani, war einer der letzten Kandidaten, die sich vor Ablauf der Frist am Samstag für die Präsidentschaftswahlen am 17. Juni anmeldeten. Larijani ist ein enger Berater des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ihm werden jedoch nicht die besten Siegchancen eingeräumt. In Umfragen liegt er hinter dem früheren Amtsinhaber Akbar Hashemi Rafsandjani (Rafsanjani) und Ex-Polizeichef Mohammed Baker Kalibaf, die beide als Vertreter eines gemäßigt-konservativen Lagers gelten.

Programmstruktur

Der 51-Jährige Larijani hatte Zugeständnisse des Iran bei den Atomgesprächen mit der Europäischen Union kritisiert. Von seinem Posten als Rundfunkchef trat er im vergangenen Jahr zurück, nachdem Reformer ihm mangelnde Neutralität und eine zu religiös geprägte Programmstruktur vorgeworfen hatten.

"Wir sollten nicht zurückgehen, sondern nach vorne blicken und die Zukunft mit jungen Gesichtern gestalten", sagte Larijani am Samstag in Anspielung auf den Ex-Präsidenten Rafsandjani, der derzeit in den Meinungsumfragen vorne liegt.

Reformen

Der konservative Pragmatiker Rafsandjani steht für eine vorsichtige Annäherung des Landes an den Westen. Für den Fall seiner Wahl hat er eine Einigung über das umstrittene Nuklearprogramm versprochen. Rafsandjani war bereits von 1989 bis 1997 Präsident der Islamischen Republik.

Mehrere streng konservative Parteien hatten Larijani als ihren offiziellen Kandidaten gekürt, damit das ultra-konservative Lager geschlossen wählt. Dennoch hielten sich mehrere Ultra-Konservative nicht an die Abmachung und traten als Kandidaten an. Dennoch könnte es Beobachtern zufolge zu einem Sieg der Ultra-Konservativen kommen. Die Enttäuschung über mangelnde Reformen des liberalen Präsident Mohammad Khatami sei weit verbreitet, hieß es.

770 Kandidaten

Insgesamt haben Medienberichten zufolge 770 Iraner ihre Kandidatur angemeldet. Zur Wahl stellt sich mit Ebrahim Yazdi auch einer der führenden Dissidenten, die für die Trennung von Staat und Religion in der Islamischen Republik eintreten. Yazdis Kandidatur wird jedoch vermutlich von dem aus zwölf islamischen Geistlichen bestehenden Wächterrat abgelehnt, der jeden Kandidaten genehmigen muss. Der Rat wird vermutlich auch jenen 19-Jährigen von der Wahl ausschließen, der zur Anmeldung seiner Kandidatur in einem T-Shirt erschien, auf dem die kubanische Revolutions-Ikone Ernesto "Che" Guevara zu sehen war. (APA/Reuters)

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