Ungarn: Arbeitsgericht verurteilt erstmals Roma-Diskriminierung

17. Mai 2005, 13:34
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Geldstrafe für Wach- und Schließgesellschaft muss Geldstrafe zahlen

Budapest - "Wir beschäftigen keine Zigeuner", erklärte eine ungarische Wach- und Schließgesellschaft und wurde von einem Arbeitsgericht zu einer Strafe von 500.000 Forint (1.996 Euro) verurteilt. Dabei handelt es sich um das erste Urteil, das auf der Basis des Gleichberechtigungsgesetzes rechtskräftig gefällt wurde. Der Kläger war der 34jähriger Budapester Rom, Gyula Csonka, der sich auf das Stellenangebot einer Budapester Wach- und Schließgesellschaft gemeldet hatte. Der Mann verfügte laut Tageszeitung "Nepszabadsag" (Wochenend-Ausgabe) über alle notwendigen Zeugnisse, Waffenschein und psychologisches Attest.

Dennoch wurde Csonka vor Zeugen auf "erniedrigende" Weise behandelt, schreibt das Blatt. Der Rom versuchte es Monate später erneut bei dem Unternehmen, das nach wie vor Wachleute suchte. Auch diesmal wurde Csonka mit dem Hinweis auf seine Volksgruppe abgelehnt, wandte sich letztlich an die Arbeitsaufsichtsbehörde. Dieser gegenüber gab der Direktor der Wach- und Schließgesellschaft "auf überraschende Weise" die Diskriminierung zu. Zu seiner Entschuldigung führte der Direktor Kundenforderungen an, nach denen das Unternehmen von der Beschäftigung von Roma Abstand nehmen solle.

Csonka fand Hilfe beim Budapester Büro für Rechtsschutz ethnischer Minderheiten, das auf der Grundlage des Gleichberechtigungsgesetzes einen Prozess anstrengte, den Csonka gewann. Inzwischen hat der Budapester Rom eine Anstellung als Wachmann in einem "eleganten Bürohaus" gefunden, wo seine Arbeit geschätzt würde. "Ich habe gezeigt, dass ein Zigeuner die gleiche Arbeit verrichten kann wie ein Nicht-Zigeuner", erklärt Csonka. (APA)

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