Glazer will totale Kontrolle bei ManU

23. Mai 2005, 19:27
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Milliardär besitzt bereits knapp 75 Prozent der Anteile am Traditions­verein - Schulden mit Stadion besichert - Bleibt Ferguson?

London - Der US-Milliardär Malcolm Glazer besitzt nach weiteren Aktienkäufen nun bereits beinahe 75 Prozent der Anteile an Manchester United. Der entscheidende Schritt in der feindlichen Übernahme des Traditionsklubs wurde in den vergangenen Tagen gesetzt, als die irischen Aktionäre J.P. McManus und John Magnier ihre Beteiligung über 28,7 Prozent an Glazer veräußert hatten. Jetzt bietet er 300 Pence für jede Aktie, die ihm noch nicht gehört. Damit würde Glazer sein neues Spielzeug 790 Mio. Pfund (etwa 1,2 Mrd. Euro) wert sein, ein zwei Jahre dauernden Kampf gegen Fans und das Führungsgremium des Klubs ist zu Ende.

"Ich glaube, das Spiel ist aus", sagte Richard Hunter vom Aktienhandelshaus Hargreaves in London. "Ich bin sicher, Glazer wird bald 75 Prozent besitzen." Dann könnte der Amerikaner den Klub weitgehend alleine führen und die ManU-Aktien von der Börse nehmen. Die Fan-Gruppe "Shareholder United", Speerspitze des Anti-Glazer-Lagers, will aber noch nicht aufgeben. Die Fans halten derzeit geschätzte zwei Prozent der Aktien und drängt seine 28.000 Mitglieder, keinesfalls zu verkaufen. Gelänge es SU seinen Anteil geringfügig zu erhöhen, könnte Glazer an der Möglichkeit gehindert werden, alle restlichen Papiere verpflichtend aufzukaufen. Die SU-Gruppe wäre dann immerhin noch in der jährlich abgehaltenen Aktionärsversammlung vertreten und könnte diese Bühne zu ihrer Agitation gegen Glazer nützen.

Eine weitere Möglichkeit, dem Tycoon Prügel in den Weg zu werfen, wäre der Gang vor Gericht. Dort könnte ein Antrag eingebracht werden, um den Abzug der Aktien von der Börse zu beeinspruchen. Dazu sind lediglich 50 Aktionäre notwendig, der Umfang ihrer Beteiligung ist irrelevant. Die Kontrolle Glazers über den Klub, könnte aber auch so nicht verhindert werden.

Old Trafford als Sicherheit

Die Finanzierung der Übernahme ist genauso gelaufen, wie im Vorfeld vermutet und wird aus drei Quellen gespeist: 272 Millionen Pfund Cash und Anteile, die sich bereits in ihrem Besitz befinden, steuert die Familie Glazer bei, 275 Millionen sollen durch die Ausgabe von Vorzugsaktien aufgebracht werden. Die restlichen 265 Millionen borgt Glazers Holding "Red Football Ltd", als Kreditgeber fungiert die US Ivestment-Bank JP Morgen. Die Schulden sollen mit den Aktiva des Klubs besichert werden. Damit ist vor allem das Old Trafford-Stadion gemeint.

Gegner des Deals befürchten, dass Glazer nun Preise für Tickets und Merchandising erhöhen könnte, um seine Verbindlichkeiten abzubauen. Auch Geld für Spielerkäufe könnten knapp werden. Glazers Sohn Joel, der nach der Übernahme eine führende Rolle bei United spielen wird, hatte zwar eine jährliche Summe für Verstärkungen zugesagt. Das wäre aber gerade einmal soviel, wie auch dem Aufsteiger Wigan zur Verfügung steht.

Ferguson: "Abwarten"

Joel Glazer versuchte, die verärgerten Fans zu beruhigen. In einem Statement sagte er, man wolle mit mit dem derzeitigen Management, den Spielern und Anhängern zusammenarbeiten: "Wir sind leidenschaftliche Manchester United Fans." Mit dem "derzeitigen Management" sind Trainer Alex Ferguson und Vorsitzender David Gill gemeint. Ferguson hat bereits um ein Treffen mit der Glazer-Familie gebeten, um sicher zu stellen, dass seine Arbeit von den veränderten Besitzverhältnissen nicht beeinträchtigt wird. "Ich habe immer nach vorne geschaut", meinte Ferguson, "aber man muss jetzt abwarten was passieren wird." Sollte es die verlangten Sicherheiten nicht geben, könnte der Schotte seinen Rücktritt ins Auge fassen. Gill hatte am Freitag betont, für die 500 angestellten Mitarbeiter des Klubs gäbe es keinen Grund, Angst um ihren Job zu haben. Gill schlägt nun konziliante Töne an, die merklich von seiner bisherigen kritischen Haltung abweichen. Die Verlängerung seines gut dotierten Vertrages mag hierbei eine Rolle spielen.

Militante Gruppen haben Funktionäre allerdings unmissverständlich gewarnt, Positionen in einem von Glazer kontrollierten Klub anzustreben. Das "Manchester Education Committee" drohte etwa: "Kollaborateure werden als solche behandelt werden. Die Bewegungen und der Aufenthaltsort der Vorstandsmitglieder werden für uns von allergrößtem Interesse bleiben." Solche Wortmeldungen werden umso ernster genommen, seit ein von JP Morgen veranstaltetes Dinner am vergangenen Donnerstag gestürmt worden war. Auch das FA-Cup-Finale zwischen Manchester United und Arsenal am kommenden Wochenende könnte von Fangruppen zur Artikulation ihrer Verstimmung genutzt werden. (rob/APA/Reuters)

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    Die ManU-Übernahme dominierte am Wochenende die Titelseiten der englischen Zeitungen.

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