EU-Vorwürfe gegen Regierung

18. Mai 2005, 13:28
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Präsident Karimow: Niemand hat angeordnet, auf die Demonstration zu schießen

Brüssel/Berlin - Die Europäische Kommission hat der Regierung von Usbekistan eine Mitschuld am Ausbruch der Revolte im Osten des Landes gegeben. "Wir sind besorgt über den Ausbruch von Gewalt", sagte ein Kommissionssprecher am Samstag in Brüssel. "Die aktuelle Lage ist auch ein Ergebnis des Mangels an Respekt der Regierung für die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit." Die Brüsseler Behörde verfolge die Situation genau und rufe alle Seiten dazu auf, den Konflikt versöhnlich im Dialog und ohne Gewalt beizulegen.

"Niemand hat angeordnet, auf sie zu schießen"

Während der Unruhen in der usbekischen Stadt Andischan hat es laut Präsident Islam Karimow keinen Befehl zum Beschuss von Demonstranten gegeben. "Ich weiß, Sie wollen wissen, wer den Schießbefehl gegeben hat ... niemand hat angeordnet, auf sie zu schießen", sagte ein sichtlich verärgerter Präsident vor Journalisten am Samstag.

Aufstände "planvoll" organisiert

Hinter dem Aufstand stünden die gleichen Verdächtigen aus dem Umfeld der verbotenen Partei Hizb ut-Tahrir, die auch den Umsturz im benachbarten Kirgisien organisiert hätten, sagte der usbekische Präsident Islam Karimow am Samstag in der Hauptstadt Taschkent. Die Aufstände seien planvoll organisiert und durchgeführt worden.

Die Pläne dafür seien im Süden Kirgisiens und im Grenzgebiet des Fergana-Tals erarbeitet worden, sagte Karimow. In dem Tal liegt die Stadt Andischan, in der sich Aufständische und Sicherheitskräfte seit Donnerstagabend Kämpfe lieferten.

Karimow gab die Zahl der bisher bei den Zusammenstößen in Andischan getöteten Menschen mit rund 30 an. Darunter seien neun Soldaten und zehn "Kriminelle", wie er die Aufständischen nannte. Die übrigen Toten seien Zivilisten. Etwa hundert Menschen seien verletzt worden. Augenzeugen sprachen dagegen von mehreren hundert Toten. Ein AFP-Korrespondent sah etwa 50 Leichen. Ein Arzt im Zentralkrankenhaus der Stadt sprach von mindestens 50 Toten und 96 Verletzten. (APA/Reuters)

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