Neue Ausstellung im Rupertinum: "Die sinnliche Linie"

11. Dezember 2005, 18:07
posten

Erotische Perspektiven traditioneller Kunst: Klimt, Schmalix, Araki, Takano und der japanische Holzschnitt.

So mancher Besucher mag bei dem Anblick der aktuell im Rupertinum ausgestellten Werke ein wenig vor Scham erröten: Alte japanische Farbholzschnitte, Zeichnungen, Grafiken und Fotografien verschiedener Künstler zeigen erotische Darstellungen und erzählen höchst unmissverständlich den Akt der körperlichen Liebe.

Die am vergangenen Freitag eröffnete Ausstellung „Die sinnliche Linie“ geht den erotischen Perspektiven in der Kunst von Gustav Klimt, Hubert Schmalix, Nobuyoshi Araki und Aya Takano nach und untersucht die Bezüge zur japanischen Tradition des erotischen Holzschnitts.

„Frühlingsbilder“ als traditionelle Mitgift
Der traditionelle japanische Farbholzdruck wurde 1876 von der westlichen Öffentlichkeit auf der Pariser Weltausstellung entdeckt.

Besonders kennzeichnend für diese zur höchsten technischen Perfektion entwickelten Kunstgattung sind die formale Gestaltung der Werke und die unerbitterliche Reinheit der Linie. Außerdem dominiert die Parallelperspektive, während Licht und Schatten gar nicht dargestellt werden, und auch die Verzerrung der Größen. Was dabei herauskommt sind faszinierende Werke, die durch ihre Klarheit der Linien und Farben beeindrucken.

1853/54 begann mit der Öffnung Japans für die westliche Welt der stetig wachsende Export japanischer Kunst, die sich wegen ihrer Flächigkeit und Verzerrung der Größe stark vom europäischen Illusionsraum des Bildes unterschied - und hier wohl gerade deshalb so großen Anklang fand.

Wie schon bei den Griechen bedeutet auch im alten Japan die körperliche Liebe die höchste Steigerung des Daseins, dargestellt in traditionellen „Shunga“, erotischen Blättern. Shunga bedeutet wörtlich übersetzt „Frühlingsbilder“ und dienten einst in vornehmen japanischen Familien als Sexualerziehung; oft wurden sie der Braut in der Mitgift übergeben, um sie in die Praktiken des Liebeslebens einzuführen. Ganz unverblümt, jedoch nicht voyeuristisch oder pornografisch.

Bestechende Klarheit der Linie
Eben diese Faszination der Klarheit der Linien und Farben war es wohl auch, die Gustav Klimt und Hubert Schmalix dazu bewegt haben mag, sich mit dieser Kunstgattung auseinander zusetzten. Gerade Klimt ist bekannt für seine zahlreichen weiblichen Akte. Wie der Kunsthistoriker Richard Muther über Klimt sagt, wird dieser „nicht müde, den Linienfluss eines Beckens, die melodiöse Rhythmik einer Hüfte, das weiche Rund einer Schulter zu suchen.“

Die ausgestellten Akte – meist Paargruppen von Mann und Frau oder Frau und Frau, aber auch junge Frauen alleine - bilden einerseits einen Kontrast zu den japanischen Shunga; andererseits spiegeln sie die Grundzüge des Farbholzdruckes wider, bestechen durch die Einfachheit und Klarheit der Strichführung.

Verschmelzung der Sinnlichkeit
Wie Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Museums der Moderne, bei der Eröffnung der Ausstellung betonte, sei 2005 ein wichtiges Jahr in der Kooperation mit Japan. Die „Relevanz der japanischen Einflüsse in der zeitgenössischen Ästhetik“ sei vor allem in der Musik und in Mangas (japanischen Comics) zu bemerken; diese Ausstellung solle dazu beitragen, nun auch in der Kunst die "Verschmelzung der Sinnlichkeit" sowohl aus europäischer, als auch aus japanischer Sicht zu betrachten. Sie selber habe sich außerdem mit dieser Ausstellung einen persönlichen Wunsch erfüllt.

„Die sinnliche Linie“ wird ganz bewusst im Rupertinum ausgestellt; einfach aus dem Grund, so Husslein-Arco, weil das Rupertinum als „Stammhaus“ des Museums der Moderne seit dem Neubau am Mönchsberg ein „wenig in den Hintergrund geraten ist“. (ack/cha)

"Die sinnliche Linie". 14.05.-17.07.2005. Museum der Moderne Rupertinum. www.museumdermoderne.at
  • Hermosa von Hubert Schmalix
    mdm

    Hermosa von Hubert Schmalix

  • Umarmendes Paar von Klimt

    Umarmendes Paar von Klimt

Share if you care.