Neue Anschuldigungen gegen Chodorkowski

16. Mai 2005, 13:49
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Diebstahl und Geldwäsche in Höhe von sechs Mrd. Dollar vorgeworfen

Moskau - Kurz vor der Urteilsverkündung gegen den russischen Ölbaron Michail Chodorkowski hat die Justiz neue Vorwürfe von Diebstahl und Geldwäsche in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro) erhoben. Die neue Klage gegen Chodorkowski, den früheren Besitzer des Ölkonzerns Yukos, und seinen Partner Platon Lebedjew werde in Kürze eingereicht. Das sagte die Vertreterin der Generalstaatsanwaltschaft, Natalja Wischnjakowa, am Freitag in Moskau.

Im Zusammenhang damit seien Haftbefehle gegen den jetzigen Yukos-Mehrheitseigner Leonid Newslin und den Spitzenmanager Alexander Temerko erlassen worden. Newslin hält sich in Israel auf.

Urteilsspruch am Montag

Im laufenden Strafprozess gegen Chodorkowski und Lebedjew soll ein Moskauer Gericht am kommenden Montag das Urteil sprechen. Wegen der Anklagepunkte Betrug, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung fordert die Staatsanwaltschaft zehn Jahre Lagerhaft für Chodorkowski. Sein Anwalt Juri Schmidt nannte die neuen Vorwürfe einen Versuch, Druck auf das Gericht auszuüben.

Das Verfahren gegen Chodorkowski, den früher reichsten Mann Russlands, gilt als vom Kreml gesteuert. Die erste Termin für ein Urteil war Ende April ohne Angabe von Gründen auf den 16. Mai verschoben worden.

Zu den neuen Vorwürfen erläuterte Justizsprecherin Wischnjakowa, Yukos-Händler hätten den ölfördernden Tochterfirmen ihre Produktion zu Dumping-Preisen abgekauft und zu Weltmarktpreisen weiterverkauft. Die Differenz sei auf Offshore-Konten deponiert und den Yukos-Chefs als Gratifikationen oder angebliche Honorare überwiesen worden.

Die Vorwürfe seien für Russland eine Gefahr, schrieb Chodorkowski in einer über seine Anwälte veröffentlichten Erklärung. "Der Versuch, Dividendenzahlungen an Aktionäre, darunter zehntausende russischer und ausländischer Bürger, als Geldwäsche darzustellen, wird schwerwiegende Folgen haben", erklärte er. Die Yukos-Buchführung sei von internationalen Finanzprüfern für einwandfrei befunden worden. (APA/dpa)

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