Grenzenloses Pritscheln

22. Mai 2005, 18:28
1 Posting

Urbar gemachte Thermalquellen finden sich auch in Slowenien und die Qualität der Urlaubsangebote wächst weiter auf bereits hohem Niveau

Wer bei Wellness in Slowenien an verstaubte kommunistische Badeanstalten denkt, liegt völlig falsch, denn unser südlicher Nachbar besticht mit einer bemerkenswerten Dichte an modernen Wellnesseinrichtungen, egal ob man einen Aufenthalt inmitten der Ostjulischen Alpen oder an der Adriaküste bevorzugt. Dass Slowenien über eine beachtliche Anzahl an Thermalquellen verfügt, ist keine Neuigkeit. Seit etwa 400 Jahren werden die Quellen von Rogaska Slatina, gerade mal 60 km von der österreichischen Grenze entfernt, genützt. Langjähriger Berühmtheit erfreuen sich auch die Heilquellen von Dobrna, im nördlichen Teil des Celjebeckens, dem ältesten aktiven Kurort Sloweniens.

Als geradezu nahe liegend erschien es, den international boomenden Wellnesstrend zu nutzen und rund um die bereits bekannten Heilquellen ein dichtes Netz an qualitativ hochwertigen Wellnesseinrichtungen zu entwickeln. Dabei wurde auch die 32 Kilometer lange Adriaküste miteinbezogen und so können Wellnessurlaube in Slowenien entweder mit mediterranen oder aber mit durchaus alpinen Aspekten genossen werden.

Auf hohem Niveau entwickelt sich Slowenien zu einer Wellnesshochburg, und man darf durchaus davon ausgehen, dass Zeiten, in welchen man nach Slowenien vor allem zum Wandern oder Skifahren reiste, der Vergangenheit angehören.

Antistresskasino

Selbstverständlich sind nach wie vor sowohl der beeindruckende Triglav-Nationalpark, die Karstlandschaft mit den berühmten Postojna-Höhlen, das Pferdegestüt Lipica an der italienisch-slowenischen Grenze, die pulsierende Hauptstadt Ljubljana oder auch venezianisch-mittelalterlich anmutende Städtchen wie Piran, Izola oder Koper eine Reise wert.

Heute lockt der EU-Neuling zusätzlich mit Wellnessangeboten, die in Kombination mit herkömmlichen Kuren nahezu jedes Wehwehchen zu lindern wissen. Auf einer Landesfläche von nur 20.000 m² finden sich inzwischen über 15 Wellnesszentren und Thermalbäder - Tendenz nach wie vor steigend.

Neben klassischen Kurmöglichkeiten werden international trendige Thalasso-, Aroma-, Chromo- oder Farbtherapien angeboten. Abgesehen von mittlerweile auch bei uns hinlänglich bekannten asiatischen Praktiken wie Shiatsu, Reiki, Scen Tao und Ayurveda werden auch Heilpraktiken wie Watsu, Shiatsu im Wasser, und Tuina, eine alte chinesische Heilmassagetechnik, in den slowenischen Wellness-Tempeln empfohlen.

Im Rahmen von Manager-, Antistress-, Anticellulite-, und Schönheitsprogrammen oder bei Gewichtskontrollprogrammen können überdies Massagen mit heißen Heilkräutern, Sonnenduschen oder auch Stone-Energie-Massagen mit heißen Vulkansteinen gebucht werden. Mittlerweile werden ausgefeilte Wellnessprogramme durchwegs auch in Hotels mit höheren Kategorien in Ljubljana oder Maribor angeboten.

Will man Sloweniens Wellnessangebot am Meer genießen, sollte man sich an die Wellnesszentren in Portoroz oder Strunjan halten. Hier wird vor allem die vor 3000 Jahren in Griechenland entwickelte Thalasso-Therapie mit Schlammpackungen und verschiedensten Meerwasseranwendungen offeriert.

Das 1251 erstmals erwähnte Portoroz gilt mit seinem Yachthafen, dem Spielkasino und den zahlreichen Hotels übrigens als das touristische Zentrum der Küste Sloweniens. Portoroz sei Freunden der traditionellen Thaimassage empfohlen, denn hier findet sich immerhin das größte Center der thailändischen Massage in Europa.

Neben wohltuenden Anwendungen kann man in Strunjan das gleichnamige Kliff, die größte Steinwand der adriatischen Küste, bewundern, das sich bis zu 80 Meter über dem Meer erhebt.

Am Rand des weitläufigen Triglav-Nationalparkes bietet das großzügig angelegte Wellness- und Thermalzentrum Bled die verschiedensten Sportmöglichkeiten wie Golfen, Bergsteigen, Segelfliegen, Rafting oder Gleitschirmfliegen für alle sportfreudigen Wellnessurlauber.

Sprudel mit Herz

Wo das Gorjanci-Gebirge in sanfte Hügel übergeht und die Weingärten von Bizeljsko liegen, werden seit rund 200 Jahren die heilenden Quellen von Catez genutzt. Neben den finnischen und türkischen Bädern werden hier auch römisch-irische Bäder angeboten. Als Ergänzung können in Catez in der Zeit von Mai bis Oktober zehn unterschiedliche Freiluftthermalbecken, die so genannte Sommerthermalriviera, auf einer Fläche von 10.000 m² genutzt werden. In der sanften Hügellandschaft findet sich für die Golfer unter den Wellness-Suchenden ein 18-Loch-Platz.

Ebenfalls im Landesinneren, am Fluss Savinja, liegt Lasko mit Thermalquellen, die Mitte des 19. Jahrhunderts Kaiser Franz Joseph I. in das Kurbad zogen. Lasko wurde für den Kaiser fortan zum alljährlichen Sommerkurort. Mit Franz Joseph und seinem Hofstaat hielt auch bald die Wiener Gesellschaft Einzug, die neben den heilsamen Quellen auch die angebotenen Tanzunterhaltungen überaus schätzte. Nach einer wechselvollen Geschichte während des vergangenen Jahrhunderts gehört die Therme heute zu den wichtigsten Wellnessanbietern Sloweniens.

Das Mineralwasser mit den drei Herzen auf dem Logo wurde um die letzte Jahrhundertwende sowohl am Wiener Hof als auch im Vatikan getrunken und war auch zu Zeiten der Volksrepublik Jugoslawien über die Grenzen hinweg bekannt. Heute wird das bekannte Heilwasser aus Radenci noch immer exportiert, durch die verbesserten Wellnesseinrichtungen finden zu Beginn des 21. Jahrhundert aber nicht mehr nur Schwerkranke ihren Weg an den Rand der Pannonischen Tiefebene, sondern immer mehr auch Wellness-Aficionados.

Ein Aufenthalt in Slowenien ist vor allem für jene besonders interessant, die nicht nur die unterschiedlichsten Behandlungen über sich ergehen lassen wollen, sondern auch die beeindruckende Landschaft, die vor der Haustüre liegende Adria und das kulturelle Angebot in Maribor oder Ljubljana nützen möchten. Denn nicht nur die oft besuchten Postojna-Höhlen sind einen Ausflug zwischen Fangopackung und Ayurveda-Salzkristallmassagen wert. (Der Standard, Printausgabe 14./15./16.5.2005)

Von Evelyn Steinthaler

Info:

Spot Slovenia

Slovenia Tourism
  • Artikelbild
    der standard
Share if you care.