Wirbel um den Akademiehof

28. November 2005, 16:48
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Das Kupferstichkabinett soll Redaktionsstube für die geplante Zeitung von "News"-Gründer Wolfgang Fellner werden

Wien – Ob seine Tageszeitung noch vor der Wiener Landtagswahl erscheinen wird oder erst danach, verrät News-Gründer Wolfgang Fellner nicht. Das Konzept aber steht. Und gegenwärtig sucht der Blattmacher nach geeigneten Redaktionsräumlichkeiten. Sein Lieblingsobjekt befindet sich in zentraler Lage: der von Roland Rainer und Gustav Peichl erbaute Akademiehof.

Das Grundstück hatte die Stadt Wien der Akademie der bildenden Künste zur 300-Jahr-Feier 1992 geschenkt: Mit dem Neubau sollte die Raumnot der Universität gelindert und der Karlsplatz noch mehr zur "Museumsmeile" werden.

Die Nutzfläche beträgt rund 11.000 Quadratmeter. Deren 2268 gehören der Akademie: Sie ist durchaus geneigt, diese zu vermieten: Man würde sich einerseits die Betriebskosten von 140.000 Euro pro Jahr ersparen – und andererseits würden dringend benötigte Einnahmen erzielt. "Wir stehen finanziell mit dem Rücken zu Wand", klagt Rektor Stephan Schmidt-Wulffen. Die Folge ist, dass im Akademiehof kein Medienzentrum eingerichtet wird, wie vom Rektor ursprünglich geplant.

Zudem muss das Kupferstichkabinett, die zweitgrößte grafische Sammlung in Österreich mit rund 170.000 Blättern, ausquartiert werden: Schmidt-Wulffen will die äußerst wertvollen Bestände im Tiefspeicher der Albertina einlagern – und hat bereits das Okay von deren Direktor Klaus Albrecht Schröder. Die Albertina würde, so der Rektor gegenüber dem STANDARD, kein Geld verlangen, da die Attraktion des Studiensaals durch diese zusätzliche Sammlung steige. "Der Tiefspeicher ist der beste Raum, den wir finden können, da er sicherheitstechnisch und klimatisch am neuesten Stand ist."

Die Entsorgungspläne sorgen in der Akademie aber für Entrüstung. Schließlich waren die Räume 1997 um viel Geld eigens für das Kupferstichkabinett adaptiert worden – mit vollklimatisierten Depots und Restaurierungswerkstätten. Die Sammlung soll schließlich den Studenten zur Verfügung stehen und wird von ihnen auch permanent genutzt: Man hält unter anderem Seminare ab und arbeitet mit dem Studienfach Restaurierung zusammen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15/16. Mai 2005)

  • Artikelbild
    foto: standard/urban
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