Zwei bis drei Millionen Österreicher leiden unter Bluthochdruck

17. Mai 2005, 11:10
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... doch nur die Hälfte der Betroffenen wird behandelt - Bilanz zum Welt-Hypertonie-Tag

Wien - Zwei bis drei Millionen Österreicher leiden daran. Nur die Hälfte der Betroffenen wird behandelt. Die wenigsten von ihnen erreichen die "gesunden" Werte: Bluthochdruck (Hypertonie). "Man kann derzeit davon ausgehen, dass mehr als 40 Prozent der Todesursachen durch den 'stillen Killer' Bluthochdruck verursacht wird", warnte jetzt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie, der Eisenstädter Kardiologe Univ.-Prof. Dr. Karl Silberbauer, aus Anlass des Welt-Hypertonie-Tages am 14. Mai.

"Weltweite Epidemie"

"Hypertonie ist eine weltweite Epidemie. Vor dem Hintergrund, dass rund 20 bis 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung unter Bluthochdruck leiden und nur ungefähr 50 Prozent der Menschen, die Bluthochdruck haben, behandelt werden, wollen wir sowohl die Ärzteschaft als auch die Bevölkerung wachrütteln. Auch in unserem Land sind 50 Prozent der über 60-Jährigen betroffen, wobei von denen etwa ein Drittel behandelt wird und lediglich zwölf Prozent tatsächlich nach internationalen Richtlinien ihre Ziel-Blutdruckwerte erreichen", stellte Silberbauer fest.

Betroffen sind zum überwiegenden Teil Menschen aus den Industriestaaten. Die Hypertonie - also eine Engstellung der Blutgefäße - ist der bedeutendste Risikofaktor für den Schlaganfall. Blutdruckkranke sind einem wesentlich erhöhten Risiko für Atherosklerose und somit Herzinfarkt ausgesetzt. Weiters fördert eine Hypertonie die Entwicklung einer Herzschwäche bzw. von Nierenschädigungen.

Mannigfaltige Ursachen

Die Ursachen für die "essentielle arterielle Hypertonie", also einen Bluthochdruck ohne sonstige organische Grundleiden, die das bedingen würden, sind vielfältig und bei weitem nicht einfach. "Die Hochdruckkrankheit ist eine vermeidbare Krankheit, die es nur in den Zivilisationsländern gibt. Wir kennen die Noxen (schädigende Faktoren, Anm.) genau, die zum Hochdruck führen. Das ist in erster Linie der 'Antriebsnerv', ein gesteigerter Sympathiko-Tonus", erklärte vor einiger Zeit der Grazer Experte Univ.-Prof. Dr. Falko Skrabal.

Übergewicht, Nikotin, zu viel Alkohol und Bewegungsarmut würden laut dem Fachmann bei den Betroffenen ständig das sympathische Nervensystem aktivieren und über die Verengung der Blutgefäße als Reaktion zur chronischen Blutdruck-Erhöhung führen. Es gibt auch eine genetische Komponente - die Hypertonie tritt in manchen Familien gehäuft auf. Warum aber auch normalgewichtige Sportler und Nichtraucher daran erkranken, ist schon viel weniger klar. Sicher sind psychische Komponenten (Stress) in einem hohen Maß beteiligt.

Gegenmaßnahmen

Gewichtsreduktion, salzarme Ernährung, weniger Alkoholkonsum und regelmäßiges Ausdauertraining sind die wichtigsten nicht-medikamentösen Präventions- und Gegenmaßnahmen. Reichen sie nicht aus, muss mit Medikamenten ausreichend behandelt werden. Ausreichend, das bedeutet das Erreichen eines Blutdruckwertes von weniger als 135/85 mmHg ("oberer" systolischer"/"unterer "diastolischer Wert in der Pump- bzw. in der Ruhephase des Herzens).

Eine österreichische Studie hat ergeben, dass bis zu 90 Prozent der Patienten die empfohlenen Werte nicht erreichen. Dabei würden sie erheblich profitieren. Silberbauer: "Eine medikamentöse Therapie kann Herzattacken um 25 Prozent, Schlaganfälle um 35 Prozent und Herzversagen (Herzschwäche, Anm.) um 50 Prozent reduzieren."(APA)

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