Kein Geld für Spezialnahrung

16. Mai 2005, 19:04
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Für Babys mit zystischer Fibrose gibt es Durchbruch bei Zusatznahrung - Krankenkasse zahlt Präparat aber nicht

Für Babys mit zystischer Fibrose gibt es einen Durchbruch bei der erforderlichen Zusatznahrung. Bloß zahlt die Krankenkasse das teure Präparat nicht.

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Wien - Dass der neun Monate alte Ismail derzeit an Gewicht zunimmt wie ein gesundes Baby, verdankt er einer erst seit einem Jahr auf dem Markt befindlichen Zusatznahrung: Zystilac wurde eigens für Kinder entwickelt, die an zystischer Fibrose leiden, einer vererbbaren Stoffwechselstörung, die zu chronischen Entzündungen der Atemwege und zu schweren Verdauungsstörungen führt und von der rund jedes 3000. Neugeborene betroffen ist.

Um diesen Kindern ein möglichst normales Leben - und 40 Jahre Lebenserwartung - zu ermöglichen, ist kalorienreiche Zusatznahrung von Anfang an ein Muss. "Hier hat Zystilac einen Durchbruch gebracht", erläutert die Kinderkrankenschwester und Vorsitzende des Vereins Moki (Mobile Kinderkrankenpflege), Andrea Schwarz.

Dennoch, so Schwarz, verweigere die niederösterreichische Gebietskrankenkasse (NÖGKK) betroffenen Versicherten die Bezahlung des Mittels. "Jede Packung kostet 54 Euro. Die 900 Gramm reichen dann genau für vier Tage", schildert Ismails Vater Garip, der als Arbeitsloser mit 1000 Euro Monatseinkommen derzeit die Kosten alleine trägt. Alternativen gebe es keine: "Etwas anderes akzeptiert der Kleine neben der Muttermilch nicht."

Gut verträglich

Zystilac, betont auch die Kinderärztin Sabine Renner, die Ismail am Wiener AKH betreut, "ist die Zusatznahrung für Säuglinge mit zystischer Fibrose". Die Darmverträglichkeit sei sehr gut, und gleichzeitig werde der Salzverlust ausgeglichen. Bisher, schildert die Stoffwechselexpertin, musste man handelsübliche Babynahrung selbst mit Ölen und Kohlenhydraten anreichern, was bei vielen Kindern zu Verdauungsproblemen geführt hat.

Gleich nach Ismails Geburt im August 2004 - die zystische Fibrose war im Zuge des Neugeborenenscreenings gerade entdeckt worden - hatte der Vater bei der NÖGKK einen Antrag auf Kostenübernahme für Zystilac gestellt. Der Antrag wurde abgelehnt. Überhaupt gestalte sich die Zusammenarbeit mit der Kasse immer schwieriger, ärgert sich Schwarz. Was auch Renner bestätigt: "Ernährung gilt bei den Kassen eben nicht als Medizin. Es gab da schon immer Probleme, dass die Krankenkassen Spezialnahrung für unsere Stoffwechselkinder gezahlt hat, aber seit Jahresbeginn ist das verschärft."

Dergleichen habe sich die neue Chefarztpflicht, die Verschreibungen für Patienten an sich beschleunigen sollte, zur Ursache zusätzlicher Verzögerungen ausgewachsen, schildert Schwarz. Früher habe man Anträge persönlich einreichen müssen - laut Schwarz "umständlich genug". "Jetzt jedoch", ergänzt Ismails Vater, "bekomme ich am AKH eine Verordnung für Ismails Medikamente, die unser Kinderarzt als Verschreibung an die Chefarztabteilung faxt. Und dann dauert es 14 Tage bis zum Okay oder zur Ablehnung." Während dieser Wartezeit sei er gezwungen, auch die Medikamente in der Apotheke vorzufinanzieren: "Manchmal frage ich mich, wozu ich Kassenbeiträge entrichte."

Nicht auf der Liste

Bei der NÖGKK verweist man darauf, dass Zystilac vom Hauptverband nicht gelistet ist, sprich nicht zu jenen Präparaten gehört, die ohne weiteres genehmigt werden können. Chefärztin Monika Sieh: "Es wird aber jeder Einzelfall genau angeschaut." Wenn der Antrag für ein Medikament abgelehnt wird, liege der Grund auch oft darin, dass die medizinische Begründung nicht ausführlich genug sei.

Sie frage sich dann aber schon, argumentiert die Ärztin Renner, wozu man bei den Neugeborenen ein Stoffwechselscreening durchführt, um Erkrankungen möglichst früh zu erkennen und möglichst bald mit der Behandlung beginnen zu können, "wenn diese dann nicht bezahlt wird". (Irene Brickner/Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD - Printausgabe, 14./15./16. Mai 2005)

  • Kinder, die an zystischer Fibrose leiden, brauchen kalorienreiche Zusatznahrung. Ein Präparat, das keine Verdauungsprobleme bereitet, ist den Kassen jedoch zu teuer.
    foto: begsteiger keg

    Kinder, die an zystischer Fibrose leiden, brauchen kalorienreiche Zusatznahrung. Ein Präparat, das keine Verdauungsprobleme bereitet, ist den Kassen jedoch zu teuer.

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