"2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß": Wenn der Vater schuldig war

14. Mai 2005, 13:38
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"2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß", eine aufwühlend entlarvende Familiengeschichte von Malte Ludin

Eine Tätergeschichte will Malte Ludin in 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß erzählen, eine Familienverdrängungsgeschichte wird daraus. Seine Schwester ist von Anfang an gegen das Projekt: "Du kannst nichts ändern mit diesem Film." Sie wirkt nur mit, meint sie später, um ihr Bild des Vaters zu verteidigen. Auch er sei Opfer gewesen: des unbedigten Glaubens an eine Heilsbotschaft ...

Hanns Ludin, der Vater, war Nationalsozialist der ersten Stunde: schon in der Weimarer Republik als Verschwörer verurteilt, ab 1933 SA-Obergruppenführer, dann Hitlers Gesandter in der Slowakei, dort für die Deportation der Juden verantwortlich, 1947 schließlich als Kriegsverbrecher hingerichtet. Eindeutige Fakten? Die Enkelkinder wuchsen im Glauben auf, der Großvater sei Widerstandsheld gewesen.

Malte Ludin hat einen aufwühlenden, entlarvenden Film über den Mechanismus (s)einer Familie gedreht, mit dem Umstand der Schuld eines Angehörigen zu leben. Sein eigener Impuls war es, Entkräftendes zutage zu fördern. Er fand aber nichts. Jetzt stellt er Fakten aus Archiven einer Rhetorik des Relativierens entgegen oder montiert die Erzählung eines jüdischen Opfers parallel zu den beschönigenden Reden seiner Schwestern. Die Frage, ob der Vater von der Ermordung der Juden wusste, bringt die Rechtfertigungslügen am vehementesten hervor.

Ludin wählt damit – anders als etliche aktuelle Täterfilme – eine offene Form: Die Vergangenheit wirkt fatal in die Gegenwart hinein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.5.2005)

Von Dominik Kamalzadeh

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  • Papa bei der SA: Hanns Ludin, ein Täter.
    foto: top-kino

    Papa bei der SA: Hanns Ludin, ein Täter.

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