Traumsturm will die weiße Weste anpatzen

14. Mai 2005, 18:53
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Kanadas Einserlinie scort und scort, die Defensive muss gegen die noch ungeschlagenen Russen aber besser dichthalten als bisher - Alexej Jaschin: "Heuer stimmt die Chemie"

Wien - Sechsunddreißig! Auf derart viele Punkte ist Kanadas Einser-Linie in sechs WM-Spielen schon gekommen. Und doch ruhen am Samstag (16.15 Uhr) im Semifinale gegen Russland die Hoffnungen nicht allein auf Rick Nash, Joe Thornton und Simon Gagne. Im Viertelfinale gegen die Slowakei (5:4) haben endlich auch andere Leistungsträger zur Topform gefunden. "Wir bekamen wichtige Impulse von Schlüsselspielern, die brauchen wir auch gegen Russland", meinte Thornton. Sowohl Vorjahres-Schützenkönig Dany Heatley als auch Kapitän Ryan Smyth hatten sich mit Treffern zurückgemeldet.

"Auch in den vergangenen zwei Jahren hat das Team in der Vorrunde nie wirklich überzeugt, aber letztlich waren wir immer Weltmeister. Das macht mich zuversichtlich", erklärt Headcoach Marc Habscheid. Probleme bereitet dem Rekordweltmeister (23 Titel) nur die Defensive, bis dato setzte es 18 Gegentore. Habscheid: "Die Russen sind bis in die Haarspitzen geladen, wir müssen aufpassen."

Tatsächlich wartet Russland, das Finnland im Penaltyschießen schlug, seit 1993 auf sein zweites WM-Gold. Vergleichen mit der legendären "Sbnornaja" der UdSSR, die zwischen 1954 und 1991 nicht weniger als 22 WM-Titel eingefahren hatte, konnten die Russen selten standhalten. Nach der Finalniederlage 2002 gegen die Slowakei schaute im Vorjahr gar nur der zehnte Rang - unmittelbar vor Österreich - heraus. "Das Wichtigste für uns war, als Team aufzutreten", sagte Routinier Alexej Jaschin. "Das war in den vergangenen Jahren unser Hauptproblem, heuer stimmt die Chemie. Die Mannschaft hat Charakter."

Allein Russland, das also eine weiße Weste trägt, hat in diesem Turnier noch keine Niederlage kassiert. Laut Stürmer Pawel Datsjuk hat man sich seit dem 4:2-Auftaktsieg gegen Österreich "von Spiel zu Spiel gesteigert".

Eines spricht neben Kanadas Star-Goalie Martin Brodeur (Jaschin: "Es ist sehr schwer, ihn zu bezwingen) klar gegen die Russen: Seit der Vorrunde der WM 1996 in Wien (6:4) haben sie bei Weltmeisterschaften gegen Kanada immer verloren. Seinerzeit folgte in der Stadthalle nach einer Woche die kanadische Revanche im Semifinale, das Russland nach Penaltyschießen mit 2:3 verlor. (fri, APA - DER STANDARD PRINTAUSGABE 14./15.5. 2005)

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