Zahl der Hautkrebsfälle steigt

19. Mai 2005, 19:39
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Weltkongress über Hautkrebs erstmals in Wien - neben Fortschritten in Prävention und Diagnostik werden mögliche neue Therapien präsentiert

Wien - UV-Strahlung der Sonne, durch die Zerstörung der Ozonschicht in den vergangenen Jahren intensiver geworden, gilt als Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs. Die derzeit zu beobachtende "Explosion" der Zahl von Melanompatienten sei auf veränderte Lebensgewohnheiten, den Trend zum Sonnenbaden zurückzuführen, erklärte Freitag Hubert Pehamberger, Leiter der Wiener Uniklinik für Dermatologie und Vorsitzender des an diesem Wochenende erstmals in Wien stattfindenden Weltkongresses für Hautkrebs.

Wichtigste Gegenmaßnahme sei neben Prävention (auf den jeweiligen Hauttyp abgestimmter Sonnenschutz und Bekleidung) die Früherkennung durch regelmäßige ärztliche Kontrolle: Dank entsprechender Aufklärungskampagnen habe in Österreich die Melanom-Dicke zum Zeitpunkt der Erstdiagnose von 1,5 Millimetern im Jahr 1975 auf heute 0,8 Millimeter gesenkt werden können. "Kranke, bei denen das Karzinom weniger als ein Millimeter dick ist, haben eine 80-prozentige Chance, zehn Jahre zu überleben", betonte Pehamberger. In Österreich erkranken jährlich zwischen 1200 und 1500 Menschen an einem Melanom, etwa 300 sterben.

Laut Hochrechnungen von US- und australischen Daten würde heute einer von sieben weißhäutigen Menschen im Lauf seines Lebens an einem Melanom erkranken, im Jahr 2010 könnte es bereits einer von fünf sein, warnte der Wiener Dermatologe Klaus Wolff. Diese Zahlen sind jedoch zu relativieren: Zum einen müssten alle Weißhäutigen etwa 80 Jahre alt werden, zum anderen dürfte es keine unterschiedlichen geografischen und genetischen Risken geben. Tatsächlich ist jedoch das Hautkrebsrisiko aufgrund der Strahlungsintensität etwa im australischen Queensland zehnmal so hoch wie in Zentraleuropa. Und Mittelmeeranrainer haben ob genetischer Schutzfaktoren ein deutlich geringeres Risiko als beispielsweise Iren. Im Schnitt ist davon auszugehen, dass in der weißen Bevölkerung 15 von 100.000 Menschen Melanome entwickeln.

Während auf die Haut beschränkte Tumoren chirurgisch recht gut behandelbar sind, ist die Heilung von metastasiertem Hautkrebs kaum möglich. Krebszellen sind genetisch sehr instabil, Chemotherapien versagen nach einiger Zeit, da die Tumoren resistent gegen die Zellgifte werden. Auf dem Kongress werden mögliche neue Therapien präsentiert.

Wiener Forscher arbeiten daran, die für Hautkrebszellen nötige Neubildung von Blutgefäßen zu unterbinden - ohne Blutzufuhr kein Sauerstofftransport, ohne Sauerstoff sterben die Zellen. Mit neuen Substanzen konnten Hauttumoren zumindest in Mäusen derart "ausgehungert" werden. Ebenfalls in Wien wird auch an einer Impfung gegen Hautkrebs gearbeitet: Mit Eiweißen, die Proteinen auf der Oberfläche von Krebszellen ähneln, wird das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen den Tumor angeregt. Erste Versuche am Menschen stehen bevor. (kri/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 5. 2005)

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    Hauptursache für Melanom ist UV-Strahlung, die durch die Zerstörung der Ozonschicht intensiver wird. Der Trend zum Sonnenbaden ist Grund für die Zunahme der Fälle von Hautkrebs.

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