Wiener "Rosenkavalier" erfolgreich geliftet

13. Mai 2005, 18:36
2 Postings

Deborah Voigt debütierte als Marschallin

Wien - Der Rosenkavalier der Wiener Staatsoper (Premierentag 13. April 1968) ist ungefähr so alt wie die zentrale Frauengestalt des Werkes, die Marschallin. Da Opernproduktionen zweifellos schneller altern als Damen, war das musikalische Lifting, dem man diese pseudobarocke Schmunzel- und Rührkiste unterzog, durchaus angebracht und überdies erfreulich erfolgreich.

Obwohl dieser Wiener Rosenkavalier mit Kalibern wie Leonard Bernstein oder Carlos Kleiber am Pult schon singuläre Aufführungen erlebt hat, kann sich dieses von Philippe Jordan geleitete aktuelle Revival durchaus hören lassen.

Anders als noch bei Massenets Werther herrschte zwischen Pult und Orchester überwiegend wechselseitiges Einvernehmen. Das Ergebnis war ein farblich reich nuanciertes instrumentales Dekor, das sich in sensibler dynamischer Abstimmung um Solostimmen und Ensembles rankte. Und dies in einem solchen Ausmaß, dass die innerhalb der Besetzung vorhandenen Intensitätsunterschiede durch die flirrende Süße und durch den virtuosen Radau, die im Orchestergraben erzeugt wurden, das kulinarische Strauss-Vergnügen kaum zu mindern vermochten.

Zumal diese Aufführungsserie (15., 17., 20., 23. Mai) in Deborah Voigt eine alle(s) überstrahlende Marschallin hat. Sie belebt diese synthetische Kunstgestalt zu anhaltend einnehmender Natürlichkeit und verzichtet auch in der virtuosen musikalischen Gestaltung dieser Partie auf jegliches klebrige Sentiment.

Was mit Angelika Kirchschlager als burschikos saloppem und musikalisch, wenn auch etwas hell timbriertem, so doch souveränem Octavian auch szenisch zu manchem hübschem gemischtem Doppel führte.

Nicht ganz in derselben Liga der Außerordentlichkeit agieren da schon Franz Hawlata als stimmlich nicht allzu gewichtiger und in der Darstellung sympathisch unspektakulärer Ochs und die in Wien schon vielfach verankerte Schwedin Malin Hartelius als musikalisch firme, wenn auch nicht sonderlich eindringliche Sophie.

Auch wenn man den apokryphen Hinweis auf dem Besetzungszettel, Johan Botha habe die Partie des Sängers der Staatsoper und dem Publikum zuliebe "auf freundschaftlicher Basis" übernommen, nicht recht zu deuten weiß, war man trotzdem froh, ihn gehört zu haben, und stimmte in den allgemeinen Jubel gerne ein.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.5.2005)

Von Peter Vujica
Share if you care.