Das BZÖ gibt es derzeit nur in Kärnten

19. Mai 2005, 17:12
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"Ehrenamtlichkeit" aus Mangel an finanziellen Ressourcen, Unterstützer gesucht

Da saß er dann, mit verzogener Miene. Beim letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt mit BZÖ-Obmann Jörg Haider vor einer Woche hatte Vizekanzler Hubert Gorbach sichtlich größte Mühe, den Vorschlag des Kärntner Landeshauptmannes nicht allzu offensichtlich zu missbilligen.

Haiders Ankündigung, der EU-Verfassung im Parlament zwar zuzustimmen, zugleich aber eine Klage beim Verfassungsgerichtshof dagegen einzubringen, kommentierte Gorbach notgedrungen dann so: Er verfolge die Prüfung "mit großem Interesse", das sei eine Möglichkeit, an die man bisher nicht gedacht habe.

Nicht nur diese Szene zeigte, dass Gorbach, immer schon geschickt, wenn es darum ging, auf der Gewinnerseite zu landen, offensichtlich nur mehr wenige Perspektiven beim BZÖ sieht. Zu Recht. Denn bis auf die Kärntner Landesgruppe konnte man in keinem Bundesland politisch Fuß fassen – als Institution gibt es das BZÖ derzeit nicht.

"Wir haben das zwar sehr schnell in die Höhe gezogen, aber der Strukturierungsprozess dauert noch etwas", argumentiert der interimistische Bündniskoordinator Gernot Rumpold im Gespräch mit dem STANDARD. Und er verweist auf die Steiermark, wo am 5. Juni die BZÖ-Landesgruppe gegründet werden soll. Mit wie vielen Mitarbeitern vor Ort? Nur "Landesbündniskoordinatorin Theresia Zierler" samt Sekretariat sollen in das steiermärkische Bündnisbüro einziehen. Man setzt auf Sparsamkeit im orangen Verein – aus Mangel an finanziellen Ressourcen.

Finanzreferent Harald Fischl gibt dann auch das Motto der finanzschwachen Truppe aus: "Das größte Motiv ist die Ehrenamtlichkeit." Der einstige "Club Jörg"-Gründer, der nach eigenen Angaben ohne Bezahlung für jenen Mann rennt, der ihn im Vorjahr durch seine Führungs-Absage noch so schwer enttäuscht hat, dass er den Anbetungsverein aufgelassen hat, muss aus der Not heraus Esprit vermitteln: Das BZÖ entwickle sich "flexibel mit dem Bedarf der Mitarbeiterzahlen und nach der Möglichkeit der Geldmittel". Derzeit finanziere man sich aus "Unterstützern, die uns mittragen", Firmen die auf der orangen Homepage werben. Dort findet sich derzeit aber nur der Hinweis "Hier könnte Ihre Werbung stehen". Fischl führt noch Mandatarsgebühren und Mitgliedsbeiträge an, die bei der Bündniskonsolidierung helfen sollen, will aber keine Zahlen nennen. "Dort und da" gebe es zudem Spenden um die 2000 Euro.

Mitgliederverwirrung

Um Tritt zu fassen, will Rumpold jetzt einmal das "Backoffice" in den Griff bekommen. Also EDV-Systeme aufbauen, die Mitgliederverwaltung professionalisieren. Das scheint auch dringend nötig: Während man sich in der Vorwoche noch über das zehntausendste Mitglied freute, zählt Rumpold wenige Tage später ganze 4000 Orange. Vielleicht bald minus eins, Hubert Gorbach. (Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15./16.5.2005)

Von Karin Moser
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    Haiders BZÖ muss sich bereits mühsam um Personal umsehen.

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