Ausschlag gebende Raupen-Härchen

25. Mai 2005, 09:30
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Eichenprozessions- Schwärmer lösen mit ihren Härchen Ausschläge aus - Stadtgartenamt hat Gegenstrategien

Wien – Es klingt, als wäre man ihm schon oft nächtens begegnet: "Ein wenig attraktiver Nachtschwärmer", entwirft Franz Marx einen Steckbrief. "Ein geselliger Typ" sei er, "an sich unauffällig" – aber er "neigt bei günstigen Bedingungen zur Massenvermehrung".

Da Franz Marx Experte im Stadtgartenamt ist, handelt es sich bei diesem fortpflanzungstüchtigen Nachtschwärmer um einen Falter – der zu seinem Leidwesen keine bunten Flügel, aber dafür als Raupe kleine Härchen hat: der Eichenprozessionsschwärmer.

Und das nicht einmal die ganze Zeit. Meist marschiert er nur vollkommen harmlos am Baum herum: Einmal am Tag vor am Ast – und einmal wieder retour, in einer Prozession, schön brav im Raupenmarsch.

Dann aber, so nach der dritten Häutung, bekommt er diese Härchen. Und wenn er in Stress gerät – wirft er sie ab. Das tut er meist im Juli und August.

An sich nicht blöd von der Natur, dieser Schutz. Blöd nur, dass sie sich nicht auch einen augenfälligen Grund für die Existenz der Raupen ausgedacht hat. Denn Kuckucke sind die einzigen, die ihn als Futter schätzen. Warum in aller Welt soll man so etwas schützen?

Geschützt werden sollen jetzt aber die Menschen vor den Eichenprozessionsspinnern und den Ausschlägen, die ihre Härchen auslösen. Mit Schildern – vor den Eichen, denn nur auf denen halten sie ihre Prozessionen ab. Wenn nötig wird abgesperrt, erläutert Rainer Weisgram, interimistischer Leiter des Stadtgartenamtes. Und wenn immer noch nötig wird gesprüht. Nicht mit der chemischen Keule – sondern mit der Biokeule. Der Bacillus thuringiensis wird versprüht. "Ein absolut unbedenkliches, harmloses Mittel", wie Weisgram als Mensch versichert. Nur die Prozessionsspinner, die sehen das ein bisschen anders und sterben.

Die braunen Eichenprozessionsschwärmer sollte man nicht mit den Frostspannern verwechseln, die derzeit überall abhängen – und fressen. Denn die sind weit harmloser und gegen die gibt es noch ein viel einfacheres Mittel: Leimringe am Baum anbringen. Denn die Weibchen sind flügellos. Und wenn die zur Eiablage den Stamm raufkraxeln und auf den Leim gehen, ist laut Josef Ebenberger vom Forstamt die Folge: "Keine Eier – keine Raupen – kein Problem." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 14./15./16. Mai 2005)

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