Stadion-Affäre: Viereinhalb Jahre Haft für Wildmoser

16. Mai 2005, 19:20
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Schuldspruch wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und Untreue

München (APA/dpa) - Im Schmiergeldprozess um den Bau des neuen Münchner Fußballstadions "Allianz Arena" ist Karl-Heinz Wildmoser junior zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht München I sprach den 41-Jährigen am Freitag der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und der Untreue schuldig. Seine Anwälte kündigten Revision gegen das Urteil an.

Mit Blick auf das sich damit weiter hinziehende Verfahren setzte das Gericht den Haftbefehl gegen den 41-Jährigen aus und begründete dies mit der nach 14 Monaten Untersuchungshaft nur noch geringen Fluchtgefahr. Wildmoser junior verließ das Gericht als zunächst freier Mann und gab sofort erste Interviews.

Kaution von 250.000 Euro

Die Außer-Kraft-Setzung des Haftbefehls wurde mit einer Reihe von Auflagen verbunden. So muss Wildmoser junior eine Kaution von 250.000 Euro im Wege einer selbstschuldnerischen Bürgschaft hinterlegen, sich wöchentlich bei der Polizei melden und seinen Pass abgeben.

Der mitangeklagte Schulfreund von Wildmoser junior wurde wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Ihm wurden zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegt. Die beiden Angeklagten haben nach Auffassung des Gerichts von der Baufirma Alpine 2,8 Mio. Euro Schmiergeld für die Weitergabe von Informationen aus dem Vergabeverfahren kassiert. Wildmoser junior war damals Geschäftsführer der Bauherrin Allianz Arena München Stadion GmbH.

Bietergespräche waren streng vertraulich

Die Bietergespräche mit den Baufirmen seien streng vertraulich gewesen, betonte die Richterin Huberta Knöringer in der mündlichen Urteilsbegründung. Obwohl Wildmoser junior als Mitglied in der Kommission der Obergutachter zu strengstem Stillschweigen verpflichtet gewesen sei, habe er seinem Schulfreund Einzelheiten aus Gesprächen mit einem Alpine-Konkurrenten weitergegeben. Dieser habe die Details wiederum an Alpine-Verantwortliche weitergeleitet.

Wildmoser junior hatte im Prozess die Vorwürfe bestritten und von legalen Provisionen gesprochen, der Jugendfreund dagegen hatte ein Geständnis abgelegt. "Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe", hatte Wildmoser vor dem Urteil in seinem Schlusswort gesagt. "Ich habe versucht, im Laufe des Verfahrens mitzuwirken an der Aufklärung des Sachverhalts." (APA)

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