"Erschossen hat mich der Rolf"

20. Mai 2005, 16:45
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Leo Kirch fährt vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank schwere Geschütze auf: Ex-Vorstandschef Rolf Breuer habe ihn bewusst in die Pleite getrieben

Frankfurt - Nur wenige Tage vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank hat der Medienunternehmer Leo Kirch dem Geldhaus vorgeworfen, seinen Konzern vorsätzlich in die Pleite getrieben zu haben. Den damaligen Vorstands- und heutigem Aufsichtsratschef Rolf Breuer bezichtigte Kirch der Lüge.

"Insolvenz hätte vermieden werden können"

"Die Zerschlagung des Kunden Kirch war Bankpolitik", sagte Kirch dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in einem am Freitag vorab veröffentlichten Bericht. "Die Insolvenz hätte vermieden werden können." Kirch verwies gegenüber dem Magazin auf ein Vorstandsprotokoll des Kreditinstituts, das in den laufenden Verfahren vor Gericht bisher keine Rolle gespielt habe. "Das Protokoll zeigt, dass Breuer in allen bisherigen Aussagen zu dem Thema gelogen hat." Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme unter Hinweis auf die laufenden Verfahren ab.

Kirch hat für die Hauptversammlung am 18. Mai Gegenanträge eingereicht und fordert unter anderem die Abberufung von Breuer.

Im Zentrum von Kirchs Vorwürfen steht ein Fernsehinterview mit Breuer, der bis vor drei Jahren selbst an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus stand. Breuer hatte im Februar 2002 vor dem Hintergrund erster offenkundiger Finanzprobleme bei dem Medienkonzern gesagt: "Was man alles lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder sogar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Zwei Monate danach brach das Kirch-Imperium zusammen.

"Das Interview war meine Schlachtung", sagte Kirch dem "Spiegel". Er glaube nicht, dass es sich um eine spontane Äußerung handle. "So einen gedrechselten Satz sagt man nicht einfach so. Das war abgestimmt, mit Anwälten durchgesprochen." Kirch macht Breuer persönlich für die Pleite seines Lebenswerks verantwortlich: "Erschossen hat mich der Rolf."

OLG München entschied im Sinne Kirchs

Kirch hat mehrere Gerichtsverfahren gegen Breuer und die Deutsche Bank gestartet, war aber in den USA im Herbst zunächst mit einer Klage gescheitert. Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hatte der Unternehmer 2003 einen Sieg davongetragen: Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Breuer mit dem Interview gegen das Bankgeheimnis verstoßen hat. Mittlerweile hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision zugelassen, das Verfahren wird voraussichtlich Ende des Jahres neu aufgerollt.

"Ich will Kompensation für das, was Herr Breuer an unternehmerischer Leistung zerstört hat", sagte Kirch. "Von 11.000 meiner Mitarbeiter sind 5.000 entlassen worden, und ich habe mein ganzes Vermögen verloren." Chancen auf eine gütliche Einigung mit der Deutschen Bank sehe er deshalb nicht. Er werde weiterfechten. "Ich weiß, ich werde gewinnen."

Breuer, der auch Aufsichtsratschef der Deutschen Börse ist, steht derzeit auch wegen der Rebellion mehrerer Anteilseigner bei dem Börsenbetreiber unter Beschuss und hat seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt. (APA/Reuters)

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    Leo Kirch fordert auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 18. Mai...

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    ...die Abberufung des ehemaligen Vorstandschefs und heutigen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Rolf Breuer.

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