Polen: Skandal-Pfarrer Jankowski verschickt Wahlempfehlung

16. Mai 2005, 17:49
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Geistlicher fiel wiederholt durch antisemitische Äußerungen auf

Warschau - Der wegen antisemitischer Äußerungen bekannt gewordene polnische Geistliche Henryk Jankowski macht wieder von sich reden. Nun hat Lech Walesas ehemaliger Beichtvater einen 17-seitigen Rundbrief verschickt, in dem er die Wahlempfehlung gibt, nur für "unsere" Abgeordneten zu stimmen. Damit meint er die national-katholische Liga Polnischer Familien (LPR), die populistische Selbstverteidigung (Samoobrona) und die neu gegründete Partei von Radio Maryja. Auch diesmal fehlen die Kontroversen nicht: Die Polen sollten sich ein Beispiel an der Knesset (dem israelischen Parlament) nehmen, indem nie ein Pole sitzen könne.

Dieser Brief wurde als Mail an verschiedene Adressen verschickt, darunter an den Sejm (das polnische Parlamen), den Senat, die Bischofskonferenz, die Regierung, die Universitäten und die regionalen Solidarnosc-Vertretungen. Die Idee für diesen Brief soll, so die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", vor drei Wochen während eines Treffens zwischen Jankowski und dem Chef von Radio Maryja, Pater Tadeusz Rydzyk, entstanden sein. Die beiden Geistlichen hätten damals festgestellt, dass "der gesunde Kern" der politischen Bühne Polens nur aus diesen drei Parteien bestehe. Die anderen Gruppierungen, wie die Postkommunisten, die Linken oder die Liberalen seien echte Feinde. Für sie zu stimmen, gleiche einem Selbstmord.

Kritisch äußerte sich Jankowski auch über die Situation in Europa: "Atheisten, Libertins, Liberale, Freimauer und Postkommunisten haben Europa und Polen dominiert." Absichtlich würden sie Drogensucht, Alkoholismus, Ausschweifung und Abtreibung propagieren.

Der Danziger Erzbischof Tadeusz Goclowski unterstrich am Donnerstag im Gespräch mit "Gazeta Wyborcza", dass ein derartiges Engagement eines Pfarrers im Widerspruch zu seinen hauptsächlichen Verpflichtungen stehe. Er wollte jedoch nicht sagen, ob und welche Schritte er im Fall des Pfarrers Jankowskis unternehme. Der Geistliche selbst fürchtet keine Konsequenzen. "Jetzt bin ich nur ein bescheidener Resident bei der Hl. Brigide-Pfarre, aber ich habe noch ein paar Missionen, die ich erfüllen möchte, beispielsweise die Unterstützung jener Kräfte, die gut für Polen sind", erklärte Jankowski. (APA)

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