Produktion fruchtbarer Eizellen aus Gewebe gelungen?

19. Mai 2005, 19:39
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Forscher aus Tennessee melden Sensationserfolg - Kollege reagiert überaus skeptisch

Knoxville - Die Produktion von fruchtbaren Eizellen innerhalb von nur fünf Tagen soll nach eigenen Angaben einem Forscherteam der University of Tennessee Graduate School of Medicine gelungen sein. Dazu entnahmen die Experten Oberflächenzellen aus den Eierstöcken von fünf Frauen im Alter von 39 bis 52 Jahren und züchteten diese unter Beigabe von Östrogen heran. Die Ergebnisse der Studie sind in der Forschungswelt umstritten, denn bis jetzt ist es führenden Fruchtbarkeitswissenschaftern noch nicht gelungen Eizellen aus Gewebe zu generieren. Die Ergebnisse der Studie sind in dem Magazin "Reproductive Biology and Endocrinology" publiziert worden.

"Der Prozess ist überraschend einfach und ich hoffe, dass die Effizienz dieser Methode in weiteren Forschungsarbeiten bestätigt werden kann", erklärte Studienleiter Antonin Bukovsky. Bukovsky denkt, dass die Oberflächenzellen quasi Vorläuferzellen sind, die eine unlimitierte Quelle sind für das Heranzüchten von Eizellen und jenen Zellen, die sie nähren und Follikel bilden.

Deutliche Skepsis

Ganz anderer Meinung ist Jonathan Tilly vom Massachusetts General Hospital in Boston, der selbst auf dem Gebiet der Produktion von Eizellen aus Vorläuferzellen forscht. Er nimmt an, dass bei der Entnahme der Oberflächenzellen versehentlich auch reife Eizellen entnommen wurden, die direkt unterhalb der Oberfläche eingelagert sind. Bukovsky kontert, dass wenn dies geschehen wäre, die Zellen bereits nach einigen Tagen sichtbar geworden wären.

Zudem zeigt sich Tilly überrascht, dass das Heranzüchten von Oberflächenzellen mit Östrogen der initiierende Auslösefaktor für den Bildungsprozess von Eizellen sei. Denn in der Eierstockkrebsforschung wird diese Technik bereits seit Jahren praktiziert und bisher wurden noch von keinem Forscher plötzlich Eizellen entdeckt, so der Experte. "Ich denke nicht, dass diese Forschungsergebnisse valide sind. Zudem fürchte ich, dass bei betroffenen Patienten falsche Hoffnungen geweckt werden", erklärte Tilly. Der Experte wirft auch die Frage auf, warum derartig bahnbrechende Entdeckungen nur in dem von Bukovsky herausgegeben und eher unbedeutenden Fachblatt publiziert wurden. (pte)

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