ProSiebenSat.1 will 60 Millionen Euro einsparen

18. Mai 2005, 12:18
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TV-Konzern wappnet sich gegen schrumpfenden Werbemarkt

Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 rechnet nach einem überraschend umsatzschwachen Startquartal für 2005 mit schrumpfenden Werbeerlösen. Der Werbemarkt werde um 2 Prozent zurückgehen, sagte Vorstandschef Guillaume de Posch am Freitag vor der Hauptversammlung in München. Der Konzern werde trotzdem Umsatz und Ergebnis steigern. Dazu sollen 60 Mio. Euro zusätzlich gespart werden. Durch Kostensenkungen und Zukäufe kletterte im ersten Quartal der Gewinn trotz nachgebender Umsätze.

ProSiebenSat.1 spielte von Jänner bis Ende März unterm Strich einen Gewinn von fast 29 Mio. Euro ein - das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor Steuern verbesserte sich das Ergebnis um 8 Prozent auf 47 Mio. Euro. Der Umsatz ging dagegen um 1,4 Prozent auf 430 Mio. Euro zurück.

Schwächer als erwartet

"Das Jahr 2005 ist schwächer gestartet, als wir erwartet haben", sagte de Posch. Dass sich das Ergebnis dennoch verbessert habe, wertete der Vorstandschef als Bestätigung für die Strategie, sich mehr Einnahmequellen außerhalb des Werbemarkts zu sichern. Mitte März hatte ProSiebenSat.1 das Medienunternehmen Euvia mit dem Ratesender 9 Live und dem Reisekanal Sonnenklar TV komplett übernommen. Dieser Zukauf wirkte sich den Angaben zufolge bereits im ersten Quartal positiv auf das Ergebnis aus.

Die Umsätze außerhalb des Werbemarkts "müssen und werden sich dieses Jahr steigern", sagte de Posch. Der Anteil am Gesamtumsatz soll von 7 Prozent im Jahr 2004 auf über 10 Prozent im laufenden Jahr und bis 2007 auf rund 15 Prozent anwachsen. Der Konzern übernahm außer bei Euvia auch beim Internet-Anbieter wetter.com die Mehrheit. Weitere Zukäufe werden laut de Posch geprüft.

Konzentration auf Kerngeschäft Fernsehen

Außerdem will sich ProSiebenSat.1 auf das Kerngeschäft Fernsehen konzentrieren. Im Startquartal schrieben alle vier Sender - ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 - vor Steuern schwarze Zahlen. Der gesamte Zuschauermarktanteil der Senderfamilie lag innerhalb der werbewichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen den Angaben zufolge bei 30 Prozent. Im April stieg die Quote auf 31,5 Prozent - den höchsten Wert seit Bestehen des Konzerns. Im laufenden Jahr soll der Marktanteil durch Neuproduktionen weiter steigen.

Zum Jahresauftakt steigerte der Sender ProSieben den Umsatz um gut 10 Prozent auf 174,5 Mio. Euro; Hauptgrund für den Zuwachs waren Programmverkäufe innerhalb des Konzerns. Das Ergebnis vor Steuern brach aber um 26 Prozent auf fast 26 Mio. Euro ein. Sat.1 setzte 187 Mio. Euro um, das sind 3 Prozent weniger. Das Ergebnis vor Steuern schrumpfte um 18 Prozent und fiel auf 19,5 Mio. Euro zurück. Kabel 1 und der Nachrichtenkanal N24 legten dagegen sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis deutlich zu.

Kein Kommentar zu Spekulationen um Gesellschafterstrukur

Zu den Spekulationen über die künftige Gesellschafterstruktur äußerte sich de Posch nicht. An einem Einstieg bei Deutschlands größtem Fernsehkonzern haben außer dem Springer-Verlag laut Medienberichten auch der US-Mischkonzern General Electric und der Abo-Sender Premiere Interesse. Der US-Medienunternehmer Haim Saban, der im August 2003 gemeinsam mit weiteren Investoren die Mehrheit bei ProSiebenSat.1 übernommen hatte, will sich Berichten zufolge wieder aus dem Investment zurückziehen. (APA/AP)

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