Japan: Klage von Nanking-Überlebenden abgewiesen

13. Mai 2005, 14:20
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Weiterer Schlag für kriselnde Beziehungen zwischen Japan und China - Tokio schickt stellvertretenden Außenminister nach Peking

Tokio - Die Krise in den japanisch-chinesischen Beziehungen droht sich durch eine Gerichtsentscheidung aus Tokio zu verschärfen: Eine Entschädigungsklage von Überlebenden eines Massakers der japanischen Streitkräfte in China im Jahr 1932 wurde am Freitag abgelehnt. Die KlägerInnen kündigten an, gegen das zweitinstanzliche Urteil erneut Rechtsmittel einzulegen.

Das Gericht bestätigte zwar die chinesische Darstellung, wonach japanische Soldaten damals unter rund 3.000 BewohnerInnen des Dorfes Pingdingshan ein Blutbad anrichteten, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Entschädigungszahlungen an die drei Kläger lehnte das Gericht jedoch ab. Die amtierende japanische Regierung könne nicht für die damaligen Verbrechen verantwortlich gemacht werden, sagte Richter Mikio Miyazaki laut Kyodo. Zudem habe China in seinem Friedensvertrag mit Japan auf Schadenersatzansprüche verzichtet.

Massaker von Nanking

Japan hatte 1931 die zu China gehörende Mandschurei besetzt und eroberte anschließend weitere Teile des Landes. Als schwerstes Kriegsverbrechen der japanischen Streitkräfte auf chinesischem Boden gilt das Massaker von Nanking, wo 1937 rund 300.000 Zivilisten getötet und zehntausende Frauen vergewaltigt worden sein sollen.

Geschichtliche Aufarbeitung

Der Umgang Japans mit seiner Geschichte steht im Zentrum der aktuellen Krise, die im April in anti-japanischen Ausschreitungen chinesischer Demonstranten gipfelte. China wirft Japan vor, sich für seine Kriegsvergangenheit nicht hinreichend entschuldigt zu haben. Zudem würden Verbrechen japanischer Soldaten in einem kürzlich von Tokio zugelassenen Schulbuch verharmlost.

Der stellvertretende japanische Außenminister Shotaro Yachi traf am Freitag zu zweitägigen Gesprächen mit seinem chinesischen Kollegen Dai Bingguo in Peking ein. Bei den Gesprächen werde es voraussichtlich um die Entschärfung der Krise, aber auch um Japans Bemühungen um einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat und das nordkoreanische Atomprogramm gehen, verlautete aus Diplomatenkreisen. (APA/AP)

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