Mäzen Pinaults Debüt in Venedig

13. Mai 2005, 13:31
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Cattelan im neu erworbenen Palazzo Grassi

Rom - Der französische Großunternehmer und Kunstmäzen Francois Pinault will in Venedig mit einer Ausstellung zeitgenössischer italienischer Künstler im neu erworbenen Palazzo Grassi debütieren. Die Schau ist für Herbst geplant, teilte Pinault am Ende eines Treffens mit dem Venediger Bürgermeister Massimo Cacciari mit.

"Die Ausstellung ist eine der wichtigsten, was Italiens zeitgenössische Kunst seit der Nachkriegszeit betrifft", sagte Pinault. Ausgestellt werden unter anderem Werke des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan.

Nach verzicht auf Seguin

Pinault, einer der weltweit bedeutendsten Sammler zeitgenössischer Kunst, hat auf den Bau seines seit dem Jahr 2000 geplanten Museums auf der Pariser Seine-Insel Seguin verzichtet. Die Stadtverwaltung von Boulogne-Billancourt verzögerte die infrastrukturellen Baumaßnahmen so lange, bis dem 69-Jährigen die Geduld riss: Er erwarb vergangene Woche den Venediger Palazzo Grassi für rund 29 Millionen Euro. In diesem will er seine immense Sammlung ab Ende dieses Jahres zeigen.

"In Frankreich habe ich nicht die Offenheit und das Engagement gefunden, das ich hier in Venedig spüre. Der neue Venediger Bürgermeister ist sehr aktiv", sagte Pinault. Bürgermeister Cacciari zeigte sich bereit, Pinault weitere Ausstellungsflächen für kulturelle Initiativen zur Verfügung zu stellen.

Ausstellungsfläche am Canal Grande

Pinault hatte über seinen französischen Luxusgüter- und Einzelhandelskonzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR) den Palazzo Grassi erworben. Die Gruppe übernahm einen 80-Prozent-Anteil am Kapital der Gesellschaft Palazzo Grassi Spa, die den prestigereichen Palast verwaltet. Der Rest des Aktienpakets bleibt unter Kontrolle der Spielbank der Lagunenstadt, die den Palazzo Grassi im Jänner von der Autogruppe Fiat gekauft hatte. Die Ausstellungsfläche des Palastes am Canal Grande soll wesentlich vergrößert werden, auch Dauerausstellungen seien geplant, hieß es in Kreisen um Pinault.

Der Palast, der aus dem 18. Jahrhundert stammt und erst kürzlich renoviert wurde, hat unter der Leitung Fiats in den vergangenen 18 Jahren insgesamt 26 Kunstschauen organisiert. Darunter waren international wichtige Ausstellungen über Kelten, Etrusker und Griechen. Insgesamt kamen mehr als sieben Millionen Besucher. (APA)

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