Migräne: Die Nadel, die hilft

19. Mai 2005, 19:39
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Akupunktur lindert laut bisher größter Studie die Attacken um knapp die Hälfte - zahl­reiche Fragen bleiben aber unbeantwortet

München - Akupunktur hilft nachgewiesenermaßen gegen den unerträglichen Migräne-Kopfschmerz. Die Methode aus der traditionellen chinesischen Medizin kann Migräneattacken um knapp die Hälfte verringern, wie aus der bisher größten Akupunkturstudie bei Migränepatienten hervorgeht, teilte das Zentrum für naturheilkundliche Forschung des Münchner Klinikums rechts der Isar mit.

Exakte Nadelsetzung scheint keine Rolle zu spielen

Wie bereits bei Akupunktur-Studien zu anderen Schmerzerkrankungen zeigte sich jedoch auch bei der Migräne, dass es keine Rolle spielte, ob die Nadeln gemäß der traditionellen Lehre gesetzt wurden oder wenige Zentimeter davon entfernt. Im vergangenen Jahr wiesen Wissenschafter den Nutzen der Nadelbehandlung bei chronischen Kreuz- und Rückenschmerzen nach. Die Akupunktur wirkte sogar deutlich besser als die schulmedizinische Behandlung mit Massagen, Krankengymnastik und Medikamenten. Doch auch hier galt: Die Nadelstiche halfen, der genaue Ort der Nadelung war zweitrangig.

Mehrere Krankenkassen stießen zur Studie an

Nach Einschätzung der Wissenschaftler werfen die Ergebnisse der Studien, die von mehreren gesetzlichen Krankenkassen angestoßen wurden, zwei Fragen auf, die erst durch weitere Studien beantwortet werden könnten: Fraglich sei, ob der Ort der Nadelung wirklich keine Rolle spielt, oder die wirksamen Akupunkturzonen nur weitaus großflächiger sind als von der traditionellen chinesischen Medizin angenommen. Auch müsse überprüft werden, ob es sich bei der Wirkung der Akupunktur möglicherweise um einen Placeboeffekt handele.

Der Leiter des Zentrums für naturheilkundliche Forschung im Klinikum rechts der Isar, Dieter Melchart, erklärte allerdings, Akupunktur sei nach seiner Ansicht mehr als eine Placebopille: "Die Nadelreize lösen vermutlich im Gehirn spezifische Vorgänge aus, die unsere Schmerzwahrnehmung drosseln. Hinzu kommt der psychologische Effekt der intensiven Betreuung durch den Therapeuten und die Entspannung, die der Patient während der Behandlung erfährt." (APA/AP)

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