Das schwere Erbe: Stiftungen auf der Suche nach Managern

20. Mai 2005, 16:52
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Die zweite Generation der Stifter sollte sich statt handzahmer Berater erfahrener Manager bedienen - Die Stiftungsbörse der Constantia will diese unentgeltlich vermitteln

Wien -Die Constantia Privatbank hat eine Stiftungsbörse gegründet und will ihr weit verzweigtes Beziehungsnetz unentgeltlich jenen Stiftern zur Verfügung stellen, die erfahrene Manager als Stiftungsvorstände suchen.

Zu den Mitgliedern des Expertenkomitees zählen Bettina Breiteneder (Immobilien), Anwalt Rudolf Fries (Böhler Uddeholm, Engel, Eybl), Michael Gröller (Mayr Melnhof), Franz Rauch (Fruchtsäfte) und Norbert Zimmermann (Schoeller Bleckmann Oilfield).

Der Bedarf an solch professionellen Managern ist enorm, weiß Constantia-Vorstand Norbert Gertner. Denn mittlerweile sei bereits die zweite Generation von Stiftern tätig. Während sich die Gründer-Stifter "handzahmer Stiftungsvorstände wie Anwälten, Wirtschaftsprüfern oder Notaren bedienten, die den Patriarchen als Erfüllungsgehilfen dienten", wie Fries meinte, seien nun Manager oder Unternehmer gefragt, die gewohnt sind unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Fulltimemanager kämen aufgrund von Zeitproblemen dafür nicht infrage. "Einem wie Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer würde ich genau aus diesem Grund nicht erlauben, den Aufsichtsratsvorsitz bei den ÖBB zu übernehmen", stellte Gröller fest. Ideal seien 60-Jährige, die in Pension gehen, ihr Wissen 20 Stunden in der Woche der Stiftung zur Verfügung stellen und dafür ein Honorar von rund 50.000 Euro jährlich bekommen sollten. Mehr als maximal vier Stiftungsvorständen sollte der Betreffende jedenfalls nicht angehören.

Dass eine Stiftung auch zum Bremsklotz werden kann, erfuhr Göller: Er war sich mit einem Stifter einig, bei einem Immobilienprojekt mitzubieten. Doch zu guter Letzt legte sich der Stiftungsvorstand dagegen quer. "Und Wlaschek hat sich gefreut, das Objekt günstig zu erwerben", so Gröllers Erfahrung. Und noch eine gibt er preis: Eine ihm bekannte Stiftung mit einem Vermögen von 100 Mio. Euro wirft lediglich zwei bis drei Prozent jährlich ab, also knapp mehr als die Inflation. Ein mit erfahrenen Managern besetzter Stiftungsvorstand müsste gar acht bis zehn Mio. Euro herausholen. Gröllers Vorschlag: Die Gründung einer eigenen Berufsgruppe: pensionierte Manager für Stiftungen. In Österreich gibt es 2624 Stiftungen mit einem geschätzten Vermögen zwischen 30 und 50 Mrd. Euro. In mehr als der Hälfte finden sich Firmenbeteiligungen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.5.2005)

  • Sie verwalten Vermögen und suchen kompetente Mitstreiter: Anwalt Rudolf Fries, Immobilien-Erbin Bettina Breiteneder und Mayr-Melnhofs-Ex-General Michael Gröller.
    foto: standard/regine hendrich

    Sie verwalten Vermögen und suchen kompetente Mitstreiter: Anwalt Rudolf Fries, Immobilien-Erbin Bettina Breiteneder und Mayr-Melnhofs-Ex-General Michael Gröller.

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