Wie sich Tuberkulose in den Körper schleichen kann

13. Mai 2005, 09:30
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Immunabwehr wird mit Säuresensor ausgetrickst

Tübingen/Washington - Tuberkulose-Erreger tricksen die menschliche Immunabwehr mit einem Säuresensor aus und sind daher für den Körper so schwer in den Griff zu bekommen. Fresszellen des Immunsystems erkennen die Bakterien zwar und verschlingen sie. In dem normalerweise tödlichen Säuremilieu sterben die Tuberkulosebakterien allerdings nicht, sondern vermehren sich sogar. Wie die Erreger erkennen, dass sie sich in einer Fresszelle befinden, beschreiben Wissenschafter aus Tübingen und Heidelberg im US-Fachjournal "Science".

Wie Jürgen Linder von der Universität Tübingen und Kollegen herausfanden, besitzen die Erreger ein Protein, das den Säuregehalt misst und Gegenmaßnahmen einleitet. Daraufhin bringen die Erreger die Fresszellen dazu, in einer für das Bakterium ungefährlichen Starre zu verharren. Mit Hilfe ihrer Erkenntnisse hoffen die Wissenschaftler, die Erforschung neuer Therapien gegen den Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis auf den Weg zu bringen, von dem es immer mehr antibiotikaresistente Stämme gibt.

An der Infektionskrankheit sterben den Angaben zufolge jedes Jahr zwei Millionen Menschen. Tuberkulose wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Infizierte werden oft nicht sofort krank, sondern erst, wenn der Körper durch andere Umstände - etwa eine Aidsinfektion - geschwächt ist.(APA/dpa)

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