Ein Herrenhof für Wlaschek

20. Mai 2005, 16:52
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Amisola Immobilen kauft Innenstadt-Ensemble um 24 Millionen

Wien - Karl Wlaschek, genauer seine Amisola Immobilien AG, hat wieder einmal zugeschlagen. Im März hat die Immobiliengesellschaft den Wiener "Herrenhof" gekauft, der sozusagen in der Herzkammer der Wiener Innenstadt zu finden ist. Verkäuferin des fast 10.000 Quadratmeter Nutzfläche großen Häuserblocks in der Herrengasse 10, gleich neben dem ältesten Hochhaus Wiens, war die Wirtschaftskammer Niederösterreich. Sie übersiedelt ihre Büros in die für sie zuständige Landeshauptstadt St. Pölten.

24 Mio. Euro hat die Amisola für den Herrenhof springen lassen. Mehr als zehn Interessenten hatte es für das sechsgeschossige neoklassizistische Ensemble aus dem Jahr 1913 gegeben. Von den drei (österreichischen) Höchstbietern war Wlascheks Amisola der spendierfreudigste.

Ein Herz für Palais

Kein Wunder: Der 87-jährige Billa-Gründer widmet sich seit dem Verkauf seines Handelskonzerns an die deutsche Rewe fast ausschließlich dem Immobiliengeschäft. Und: Wlascheks Wienerherz hängt an Innenstadt-Palais; das Kinsky, Harrach und Ferstel gehören ihm längst. Übrigens wird er dereinst auch in einem solchen begraben sein: im Wlaschek-Mausoleum im Palais Kinsky. Dort ruhen schon seine Eltern und seine vor Kurzem verstorbene, vierte Ehefrau Karin, betrauert von einer lebensgroßen Pleureuse.

Ob der alte Herr bei seinem jüngsten Immobilieneinkauf auch das Café im Herrenhof im Sinn hatte, ist nicht zu eruieren. "Das Herrenhof" war in der Zwischenkriegszeit eines der berühmtesten Wiener Literaten-Cafés gewesen, mit Stammgästen wie Joseph Roth, Friedrich Torberg oder Robert Musil. Hobby-Pianist Wlaschek wird sich jedenfalls auf Handfestes konzentrieren. Er baut exklusive Wohnungen in seinen Herrenhof. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.5.2005)

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