"Archäologie des Grauens": Ausgrabungsfunde aus der NS- Zeit

19. Mai 2005, 19:44
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Berliner Museum zeigt unter anderem Fundstücke aus dem heute versiegelten Fahrer-Bunker

Berlin - Unter dem Titel "Archäologie des Grauens" (14. Mai bis 11. September) zeigt das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte erstmals Ausgrabungsfunde aus der NS- Zeit. Fundstücke aus dem heute versiegelten Fahrer-Bunker sind ebenso zu sehen wie eine "Lager-Akte" vom Gelände des ehemaligen KZ- Außenlagers Berlin-Lichterfelde, Erkennungsmarken Kriegsgefangener oder Teile der Ausstattung des Weinlokals Lutter & Wegner am Potsdamer Platz. Unspektakulär, in schlichten Vitrinen, werden Stücke ausgestellt, die in den vergangenen 15 Jahren bei Bauarbeiten in Berlin gefunden wurden.

"Es sind problematische Funde", sagte Kurator Heino Neumayer am Donnerstag bei der Vorstellung der Ausstellung. Sollen die Fundstücke aus der Nazi-Zeit bewahrt oder vernichtet werden? "Unter Archäologen sind die NS-Grabungen umstritten." Berlin habe sich entschieden, die Fundsachen zu konservieren, ohne allerdings gezielt nach ihnen zu graben. Nach Ansicht von Landeskonservator Jörg Haspel sollte Hitlers Fahrer-Bunker unter Denkmalschutz gestellt werden. Auch eine Öffnung des Bunkers an der Vossstraße nahe der Ministergärten für öffentliche Führungen kann er sich vorstellen.

Der Fahrer-Bunker

Der Bunker war 1941 für die Fahrer und andere Mitglieder von Hitlers Leibstandarte gebaut worden. 1990 wurde er bei der Munitionssuche vor einem großen Konzert zum Pink-Floyd-Album "The Wall" an der Berliner Mauer entdeckt. Die Ausstellung zeigt Fotos der Bunker-Wandmalereien, in denen sich die SS-Soldaten selbst heroisierten. Verrostete Pistolen, Panzerfäuste, Münzen und Stahlhelme dokumentieren die Schlacht um Berlin. Dabei zeige sich, dass das Eisen aus der Zeit um Christi Geburt besser erhalten sei als die Eisen-Waffen aus der Nazi-Zeit, so Museumsdirektor Wilfried Menghin.

Anhand der "Lager-Akte" konnten bislang unbekannte SS-Baustellen geortet werden, auf denen Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten. Bis heute werden bei Bauarbeiten auch immer wieder Skelette von Kriegstoten gefunden. "So etwas stellen wir nicht aus, das wäre pietätlos", sagte Menghin. Die Toten würden geborgen, und es werde nach Familienangehörigen geforscht. Die Ausstellung solle zeigen, dass das Grauen erst 60 Jahre her ist.(APA/dpa)

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