
03.06.2005 20:27
Starkes Wachstum in Deutschland
Völlig unerwartet ist die Wirtschaft in Deutschland im ersten Quartal 2005 gegenüber dem Vorquartal um ein Prozent gewachsen - 1 Foto
Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal - von Wirtschaftsforschern unerwartet kräftig - gewachsen. Der Zuwachs von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal ist so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr und liegt klar über den Erwartungen vieler Ökonomen, die mit etwa der Hälfte gerechnet hatten.
Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigte sich sehr zufrieden: "Es geht klar aufwärts." Er sei zuversichtlich, dass sich das Wachstum bald auch in höheren Beschäftigungszahlen niederschlage. Auch Finanzminister Hans Eichel war "positiv überrascht". Einziger Wermutstropfen: Ursache für den schwungvollen Start ins neue Jahr war allein der Export, während im Inland weiter Flaute herrschte. Während die Exporte kräftig zulegten, gingen die Importe zurück, sodass der Exportüberschuss ein deutliches Plus aufwies, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag weiter mitteilte. Der Beitrag der Binnenwirtschaft zum Wachstum sei allerdings rückläufig. Etwas zugenommen in Deutschland hätten lediglich die Ausrüstungsinvestitionen und die Investitionen in sonstige Anlagen. Im vierten Quartal 2004 war die deutsche Wirtschaft noch um 0,1 Prozent geschrumpft. Im Vorjahresvergleich blieb die Wirtschaftsleistung unverändert. Allerdings standen im ersten Quartal 2004 zwei Arbeitstage mehr zur Verfügung als in den ersten drei Monaten 2005.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hatte in seinem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Konjunkturbarometer das Wachstum in den ersten drei Monaten 2005 auf 0,6 Prozent geschätzt. Die meisten Ökonomen hatten einen Zuwachs von 0,5 Prozent erwartet. Volkswirte der HypoVereinsbank erklärten, das Ergebnis des ersten Quartals dürfte nicht überschätzt werden. Für die kommenden Vierteljahre erwarten die Experten ein deutlich schwächeres Wachstum. Allerdings korrigierten sie wegen der starken ersten drei Monate ihre Prognose für das Gesamtjahr von 0,8 auf 1,1 Prozent nach oben.
Ähnlich auch die Allianz Group: "Auch wenn sich in den nächsten Monaten eine Delle in der Wirtschaftsentwicklung abzeichnet, revidieren wir aufgrund der hohen Ausgangsbasis unsere BIP-Prognose für 2005 nach oben, und zwar von 0,8 Prozent auf 1,0 Prozent", erklären die Konjunkturforscher.
Mit dem aktuellen Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent hat sich Deutschland, das lange Zeit das Konjunktur-Schlusslicht in Europa war, laut vorläufigen Zahlen im ersten Quartal zum neuen Spitzenreiter gemausert. In der Eurozone stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal lediglich um durchschnittlich 0,5 Prozent. (AP, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.5.2005)
Postings anzeigen [54]