Kopf des Tages: Rudy Boschwitz

14. Mai 2005, 10:24
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Aus dem Kreis der "Neocons" in Washington

Der ehemalige US-Senator und glücklose republikanische Präsidentschaftskandidat Bob Dole hat seinen Kollegen Rudy Boschwitz einmal als "einzigen Senator, dem ich vertrauen kann" bezeichnet; und hinzugefügt, warum: "Er kann nicht für die Präsidentschaft kandidieren." - Boschwitz ist nicht in den USA geboren.

Die Online-Version des konservativen Weekly Standard bezeichnet Boschwitz, der Außenministerin Condoleezza Rice bei den Staatsvertragsfeiern am Sonntag in Wien vertritt, als den "Botschafter, den niemand kennt". Erst im März wurde Boschwitz vom Senat als Botschafter und Leiter der US-Delegation bei der UNO-Menschenrechtskommission ohne Gegenstimme bestätigt.

Für das Weiße Haus ist Boschwitz allerdings kein unbeschriebenes Blatt: Er ist ein Teil des engen Kreises von Neokonservativen, die sich seit dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush in Washington etabliert haben. Während seiner Zeit im Kongress galt der orthodoxe Jude Boschwitz als "der Mann Israels im US-Senat". Er warf der UNO mehrmals in scharfer Form vor, Israel als "ewigen Prügelknaben" zu behandeln.

Rudy Boschwitz wurde 1930 in Berlin geboren; gleich nach Hitlers Amtsantritt im Jahr 1933 entschloss sich sein Vater, in die USA zu emigrieren - ein Großteil der restlichen Familie kam im Holocaust ums Leben. Boschwitz absolvierte mit 19 Jahren die prestigereiche Johns Hopkins University und erhielt sein Jus-Doktorat an der New York University. Bereits 1957 zog er nach Oshkosh in Wisconsin, zurück, was starke Reaktionen seiner New Yorker Freunde auslöste: "Die haben geglaubt, ich habe meinen Verstand verloren - ausgerechnet nach Oshkosh zu ziehen", erklärte er später.

Nachdem er ein erfolgreiches Unternehmen für Sperrholz und Möbel aufgebaut hatte, stieg er in die Politik ein und wurde 1978 als Vertreter Minnesotas in den Senat gewählt, wo er sich als getreuer Konservativer - gegen Abtreibung, Umweltschutz und Erhöhung des Mindestlohnes - profilierte. 1990 verlor er seinen Senatssitz an den inzwischen tödlich verunglückten Demokraten Paul Wellstone.

Präsident George Bush Vater ernannte ihn zum Sonderemissär für Äthiopien, wo er Rettungsaktionen für die dort ansässige jüdische Bevölkerung leitete. 1996 versuchte er noch einmal vergeblich, seinen liberalen Widersacher Wellstone auszuhebeln.

Boschwitz gilt als einer der wichtigsten Geldgeber für den ersten Wahlkampf von George W. Bush im Jahr 2000. Dem Vernehmen nach soll er nahezu 400.000 Dollar investiert haben. Rudy und seine Frau Ellen, mit der er nahezu 50 Jahre verheiratet ist, haben vier Söhne, die sich allesamt um den erfolgreichen Familienbetrieb ("Home Valu") kümmern. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 13.5.2005)

Von Susi Schneider
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