Eine Orangenrepublik

12. Mai 2005, 18:47
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Ortstafelstreit: Was soll man noch schreiben über einen sich seit 50 Jahren hinziehenden lächerlichen Zustand? - Von Samo Kobenter

Was soll man zum Kärntner Ortstafelstreit noch sagen, ohne sich selbst und die Zuhörer zu langweilen? Was noch schreiben über einen sich seit 50 Jahren hinziehenden lächerlichen Zustand, der durch die Aufstellung von 20 Ortstafeln, die seit 1977 stehen müssten, nun auch nicht wirklich an Ernsthaftigkeit gewinnt?

Wer so konsequent den Diskurs verweigert wie die paar Dutzend Schreihälse, die in Neuhaus Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ausgeladen haben, darf höchstens Anspruch auf Mitleid erheben, nicht aber auf Verständnis. Bezeichnend war die Geste allemal - für die, die sie setzten, ebenso wie für die, die sie sich aufzwingen ließen. Es sagt ja viel aus, dass einige Neuhauser eine zweisprachige Ortstafel gerade noch hinnehmen, den ohnehin halbherzigen Festakt aber als Angriff auf ihre Identität - was immer sie darunter verstehen - empfinden. Man soll sie einfach lassen, allein mit und unter sich, umgeben von der so genannten schweigenden Mehrheit, die lieber den Mund hält, als sich mit den Betonschädeln auseinander zu setzen und ihnen Vernunft beizubringen. Gerade die Feigheit der vielen, die nichts sagen, macht die wenigen so stark, die eigentlich nichts zu sagen haben als ihr altes wehleidiges "Nicht mit uns".

Bezeichnend ist auch, dass sich die Politik von den Schreihälsen ihr Handeln vorschreiben lässt. Vielleicht tut sie das ja in Kärnten nicht ohne insgeheime Zustimmung; als "Rücksichtnahme auf die Mehrheitsbevölkerung" haben das Blau und Orange und Rot und Schwarz immer dargestellt. Hier nur wäre eine kleine Korrektur nötig: Auf die Mehrheit wird keine Rücksicht genommen, die schweigt ja, sondern auf eine Minderheit Uneinsichtiger. Aber das einzugestehen wäre wahrscheinlich auch schon identitätsverwirrend in dieser Orangenrepublik. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.05.2005)

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