Späte Hilfe: Gutachten entlastet Ärztin

18. Mai 2005, 08:35
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Patient soll nicht zu retten gewesen sein - Anwalt rechnet mit der Einstellung der Vorerhebungen

Hollabrunn - Der Rechtsanwalt jener Ärztin aus Hollabrunn, die im Februar einen Patienten nach einem Disput mit der Rettungs-Leitstelle erst mit Verspätung besucht hatte, sieht seine Mandantin durch das gerichtsmedizinische Gutachten entlastet. Der Expertise zufolge wäre der 80-Jährige auf jeden Fall gestorben, stellte der Hollabrunner Anwalt Dieter Berthold laut ORF fest.

Demnach wäre der Tod - durch Herz-Kreislauf-Stillstand - nicht zu verhindern gewesen, auch wenn die Ärztin 15 Minuten früher gekommen wäre. Und bei dem elfminütigen Telefongespräch mit der Rettungsleitstelle sei es großteils um Sachfragen wie die Wegbeschreibung gegangen, betonte Berthold. Der Jurist rechnet nun dem Bericht zufolge mit der Einstellung der Vorerhebungen.

Kein Kommentar zum Gutachten

Seitens der Staatsanwaltschaft Korneuburg, die das Einlangen des Gutachtens bestätigte, gab es jedoch keinen Kommentar zum Gutachten. Die Unterlagen werden an die Oberstaatsanwaltschaft Wien weitergeleitet, hieß es. Anschließend werde das Gutachten dem Justizministerium vorgelegt. Zur Beurteilung der weiteren Vorgangsweise wird aber nicht nur das Gutachten herangezogen, dafür ist der gesamte Akt entscheidend.

Mitte Februar hatte das Rote Kreuz die Ärztin knapp nach Mitternacht um Unterstützung bei einem Kreislaufstillstand gebeten. Die 40-Jährige soll laut Tonbandaufzeichnung zunächst brüskiert abgelehnt haben, ehe sie dann doch zum Einsatz aufbrach. In der Folge wurden Vorerhebungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

Aufregung um Rettungseinsätze in NÖ

Aufregung um Rettungseinsätze in Niederösterreich gibt es allerdings häufiger: Bei einem Fußballspiel im Bezirk Melk hatte erst Anfang Mai ein Spieler einen Schienbeinbruch erlitten und eine Dreiviertelstunde auf den zu Hilfe gerufenen Notarzthubschrauber warten müssen. Die Kritik daran trifft die in Niederösterreich neu geschaffene Rettungsleitstelle.

Christof Chwojka, Geschäftsführer dieser Notrufzentrale, die unter dem Namen Lebig firmiert, sieht sich jedoch zu Unrecht angegriffen. In Melk sei bereits nach wenigen Minuten ein Sanitäter beim Unfallopfer gewesen, weitere zehn Minuten später eine Ärztin, der Rettungshubschrauber so schnell er eben verfügbar war.

Vor dem Hintergrund solcher Vorhaltungen sieht sich die Leitstelle in die politische Diskussion gezogen. Landesrat Wolfgang Sobotka (ÖVP) bezeichnete "die Zustände" bereits als "nicht mehr akzeptabel", Gesundheitslandesrat Emil Schabl (SP) sah dagegen Anlaufschwierigkeiten überwunden und ein stärkeres finanzielles Engagement des Landes notwendig. (APA, DER STANDARD - Printausgabe, 14./15./16. Mai 2005)

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