Hannes Androsch kritisiert heimische Forschungspolitik

20. Mai 2005, 16:52
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Ex-Finanzminister: "Wir haben eine Forschungs­architektur wie die USA, aber Geld dafür wie Moldawien"

Wien - "Wir haben eine Forschungsarchitektur wie die USA, aber Geld dafür wie Moldawien" - mit diesen Worten charakterisierte und kritisierte der Industrielle und Ex-Finanzminister Hannes Androsch Mittwoch Abend am Rande eines von der Gesellschaft zur Förderung der Forschung (GFF) organisierten "Science Talk" in Wien die derzeitige Forschungspolitik.

"Klotzen nicht kleckern"

Die Regierung verabsäume es seit Jahren, das Wirtschaftswachstum durch zusätzliche Investitionen in Forschung und Innovation effektiv anzukurbeln, sagte Androsch. Dabei müsste man klotzen und nicht kleckern. Eine Milliarde zusätzlich bis 2010 vor allem in die außeruniversitäre Forschung zur Schaffung von Arbeitsplätzen sei zwar begrüßenswert, aber erheblich zu wenig.

Kritik an Ausstattung der Unis

Androsch kritisiert dabei aber nicht nur die seiner Ansicht nach unterdotierte industrienahe Forschung, sondern auch die mangelhafte finanzielle Ausstattung der Unis, also der Grundlagenforschung. "Das Budget für die Unis hält derzeit auf dem Stand von 1999", so der Ex-Politiker. Er nannte als Gegenbeispiel die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, diese habe das fünffache Budget der Technischen Universität (TU) Wien. Studiengebühren würden praktisch ohne Gegenleistungen von den Studenten verlangt. "Wenn Prüfungsplätze etwa an der Uni Graz verlost werden, ist das ein Skandal", kritisierte Androsch.

Die Forschung werde aber nicht nur zu wenig finanziell gefördert, sondern zusätzlich auch noch durch "hypertrophe Bürokratie" behindert. "Wir sind im Verhindern Weltmeister, bei der Bildung Vernachlässigungs-Weltmeister und bei den Vorschriften Übertreibungsweltmeister", so das Urteil des Industriellen.

Mainoni: "Österreich steht nicht so schlecht da"

Forschungsstaatssekretär Eduard Mainoni (B) wies die Anschuldigungen Androschs zurück. Auch die Forschungspolitik müsse im Einklang mit der sonstigen Finanzpolitik stehen. Die Senkung der Neuverschuldung sei eine wichtige Säule, daran führe kaum ein Weg vorbei. Außerdem stehe Österreich in puncto Innovation nicht so schlecht dar, das würden auch unabhängige, internationale Studien belegen.

Mainoni räumte aber ein, dass die Forschung in Zukunft noch stärker gefördert werden sollte. Er werde sich jedenfalls dafür einsetzen. Für das angestrebte Ziel einer Steigerung der Forschungsquote auf 2,5 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2006 werde es noch einiger Anstrengungen bedürfen.

ÖVP: Androsch soll Forschungsaktivitäten offen legen

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka weist in einer Reaktion die Kritik von Hannes Androsch zurück. Die Bundesregierung verfolge eine seriöse Politik, auch im Bereich der Forschung. Mit der Forschungsmilliarde werde ein mutiger und zukunftsweisender Schritt gesetzt. "Anstatt selbstgefällig Kritik an der Forschungspolitik der Bundesregierung zu üben, solle der Unternehmer Androsch offen legen, wie die Forschungsaktivitäten in seinen Unternehmen konkret aussehen", so Lopatka in einer Aussendung.

Auch der Generalsekretär des Wirtschaftsbundes, Karlheinz Kopf, kann die Kritik Androschs nicht nachvollziehen. In Österreich habe es noch nie zuvor eine derartige Dynamik für Forschungsausgaben gegeben, wie in dieser Legislaturperiode. Österreich sei auf einem guten Weg, das Lissabon-Ziel - drei Prozent F&E-Quote bis 2010 - tatsächlich zu erreichen, so Kopf in einer Aussendung. (APA)

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    Hannes Androsch fordert eine bessere Ausstattung der Universitäten.

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