Salzburger Bühnen-Balanceakt

12. Mai 2005, 14:14
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Landestheater präsentierte Drei-Sparten-Programm 2005/06

Salzburg - Sechs Musiktheater-Produktionen, zwei Mal Tanztheater sowie drei große und fünf kleine Sprechtheater-Premieren in den Kammerspielen - damit will das Salzburger Landestheater und sein Intendant Peter Dolder auch im zweiten Jahr die Zahl der Abonnementen weiter steigern. Schon jetzt ist das Theater mit 8.000 Abonnementen österreichischer Spitzenreiter. "Das verpflichtet zu einem Balanceakt und zu einem Theaterangebot, das für alle Publikumsschichten möglichst attraktiv ist", erläuterte Dolder heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz in Salzburg.

"Hexe Hillary" als Renner

"Mein persönlicher Lieblingsspielplan sieht anders aus, aber wir können und wollen kein experimentelles Spezialistentheater sein, sondern müssen unser Risiko genau kalkulieren. Sonst ist das Theater als ganzes gefährdet," so der Intendant. Dolder wies darauf hin, dass die von Presse und fachkundigem Publikum besonders gelobte Produktion "Turn of the screw" von Benjamin Britten nur zu 65 Prozent ausgelastet war, während etwa das Kindertheater "Hexe Hillary geht in die Oper" zu 98 Prozent voll besetzt war und daher auch in der kommenden Saison wieder aufgenommen wird.

Die Kritik, dass sich im Programm 2005/2006 keine einzige Erst- oder Uraufführung findet, lässt Dolder nicht gelten. "Wirklich gute neue Stücke sind selten, wir lesen extrem viele neue Texte, aber nichts davon hat uns wirklich überzeugt. Die besten Stücke landen halt gleich bei den großen, finanzkräftigeren Häusern."

Geburtstags-Gag zum Thema Mozart

Zum Programm im Detail: Mit "Der Zigeunerbaron" von Johann Strauß beginnt das Musiktheater die Saison, dann kommt "Romeo und Julia" von Charles Gounod. Mozarts "La finta giardiniera" ist eine Koproduktion mit der Internationalen Stiftung Mozarteum und den Salzburger Festspielen. Diese Regiearbeit der Filmemacherin Doris Dörrie wird bei der Mozartwoche der Stiftung erstmals gezeigt und geht dann ins Abonnement des Theaters. Das Musical "Cabaret" soll junges Publikum ins Theater locken, und Smetanas "Die verkaufte Braut" und eine Wiederaufnahme des 2004 mäßig erfolgreichen "Don Giovanni" in der Inszenierung von Peter Dolder beschließen das Angebot.

Mit "Die Physiker" von Dürrenmatt startet die Saison am 17. September und zwar im republic, weil die Renovierung von Stühlen, Gängen und Garderoben länger dauern wird als geplant. "Mein Kampf", eine Farce von George Tabori, und Kleists "Der zerbrochene Krug" spielen im Hauptsaal des Landestheaters, und in den Kammerspielen werden Werke von Werner Schwab, Paul Shipton, Jean-Paul Sartre, Franz Wittenbrink und Anne Frank gezeigt.

Die Tänzer des Theaters werden die choreografierten Werke "Tschaikowsky" und "Lulu" beisteuern, und fünf Kindertheater-Premieren, der Theaterball, das Theaterfest sowie ein noch geheim gehaltener Geburtstags-Gag zum Thema Mozart sollen die Saison 2005/2006 abrunden.

Mit 13,1 Mio. Euro hat das Theater ein im Wesentlichen gleich großes Budget wie in der laufenden Saison, nur La Finta, das laut Dolder "Risiko-Stück der Saison", bringt zusätzliche 500.000 Euro an Mozart-2006-Sondersubvention. (APA)

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