Hintergrund: "Hacek" müsste eigentlich "Stresica" heißen

14. Mai 2005, 10:51
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Sprachwissenschafter sieht in den falschen Beschriftungen von Ortstafeln im Kärntner Neuhaus "reine Schlamperei"

Klagenfurt - "Reine Schlamperei" sieht der Sprachwissenschafter Heinz Dieter Pohl von der Universität Klagenfurt in der Aufstellung falsch beschrifteter Ortstafeln im Kärntner Schwabegg/Zvabek am Donnerstag. Der renommierte Linguist gab aber gleichzeitig zu bedenken: "Wenn eine Gemeinde eine amtliche Ortstafel hat, muss jede Zeile und jeder Strich stimmen." Es sei auch undenkbar, wenn bei deutschen Bezeichnungen die Umlaute fehlten.

,Der Umstand, dass die Firma, welche die Schilder lieferte, beim slowenischen Namen "Zvabek" auf den "Hacek" vergessen hatte, hat für einiges Aufsehen gesorgt. Pohl, der bereits umfangreich zum Thema "Ortstafelkonflikt in Kärnten" publiziert hat, machte im auf einen weiteren gängigen Fehler im Umgang mit der Sprache aufmerksam: Der Name "Hacek", tschechisch für Haken, werde im Slowenischen gar nicht verwendet. "Stresica" lautet die korrekte Bezeichnung für den kleinen Strich mit der großen Bedeutung für die richtige Aussprache.

"Diakritische Zeichen"

Insgesamt steht es laut Pohl nicht zum Besten mit den vielen Sonderzeichen im internationalen Sprachdschungel. An der bedenklichen Entwicklung Mitschuld trägt die Erfindung des Computers. "Hätte ein Tscheche anstatt eines Amerikaners unsere gängigen Textverarbeitungsprogramme erfunden, gäbe es keine Probleme", meint der Sprachwissenschafter. Die Sonderzeichen, sprachwissenschaftlich "diakritische Zeichen" genannt, würden vor allem im Internet "sträflich vernachlässigt". Für den Universitätsprofessor stellt dies eine "Missachtung aller anderen Kulturen" dar.

Auch der E-Mail-Verkehr trage wesentlich zur Verdrängung der Haceks, Umlaute und Akzente bei. Pohl: "Ich erhalte selbst Mails aus Slowenien, in denen auf die Sonderzeichen verzichtet wird." Hier bestehe durchaus ein negativer Effekt der Globalisierung. Eingeführt hatte diese Zeichen in den slawischen Sprachen übrigens der tschechische Reformator Jan Hus (1370 - 1415).

Was der Experte der Klagenfurter Universität persönlich von weiteren zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten hält: "Ich hoffe, dass wirklich alle aufgestellt werden." (APA)

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