Gestatten, Escalero

19. Mai 2005, 19:34
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Geier-Taufe in der Greifvogelstation Haringsee - Auswilderungsprojekt schreitet weiter voran

Gänserndorf - Die Krallen sind gefährlich lang und spitz, der mächtige Schnabel ebenso. Doch wenn der imposante Bartgeier inmitten der interessierten Menschenmenge schüchtern und ängstlich piepst, wird schnell klar: Er ist noch ein "Baby". Vor drei Monaten ist der elegante Luftakrobat geschlüpft - am Donnerstag wurde er in der Greifvogelstation in Haringsee (Bezirk Gänserndorf) feierlich auf den Namen "Escalero" getauft.

Der Bartgeier war in Österreich über ein Jahrhundert lang ausgestorben. Seit 1986 bemüht sich der Worldwide Fund for Nature (WWF) im Marchfeld um die Wiederansiedelung. Bisher wurden mehr als 130 Bartgeier ausgewildert, die Alpen zählen zu ihrem bevorzugten Lebensraum. Gemeinsam mit den Österreichischen Lotterien - seit 1989 Sponsor der Vogelschützer - bemüht sich der WWF um die Erhaltung seltener Greifvogelarten. "Escalero" - benannt nach einem interaktiven Würfelspiel - ist der bisher letzte einer langen Reihe an Bartgeiern, die behutsam auf eine Existenz hoch droben im Gebirge vorbereitet werden.

Schlechter Ruf als Verhängnis

Ziel der Mitarbeiter in Haringsee ist es, dass die Vögel ihr Leben ohne die Hilfe des Menschen meistern können. Über viele Jahrzehnte hinweg wurde der völlig harmlose Bartgeier erbarmungslos gejagt. Auf Grund eines Aberglaubens - es hieß, er reiße Jungvieh wie etwa Lämmer (daher auch im Volksmund "Lämmergeier" genannt) - wurde die Population in den Alpen ausgerottet.

"Escalero", der noch nicht fliegen kann und sich seiner Größe überhaupt noch nicht bewusst ist, soll es besser ergehen als seinen Vorfahren. Bis zum 2. Juni wird er gelernt haben, wie man sich auf breiten Schwingen in die Lüfte erhebt, denn da wird der frisch getaufte Bartgeier in Fusch (Salzburg) in die Freiheit entlassen.

Erfolgreiche Zucht

"Gewisse Dinge darf man einfach nicht dem Zufall überlassen", schlug Emil Mezgolits, Vorstandsdirektor der Österreichischen Lotterien, in Haringsee die Brücke zum Glücksspiel. "Wir sollten alle an die Umwelt denken." Federführend im WWF-Bartgeierprojekt ist der Verein für Eulen- und Greifvogelschutz (EGS). Er koordiniert auch das internationale Zuchtprogramm. In Haringsee leben derzeit 30 Bartgeier, davon neun Brutpaare. Sechs Jungtiere sind in diesem Jahr bereits geschlüpft - einer davon ist "Escalero". (APA)

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