Österreich feiert 50 Jahre Staatsvertrag

16. Mai 2005, 20:02
106 Postings

Tausende Besucher im Park des Belvedere - Vereinzelt österreichische Fahnen und zweisprachige Ortstafeln - Showprogramm auf der großen Bühne - Besucher-Beschwerden über Zugangs-Beschränkungen

Wien - Über ein Fahnen schwingendes Volk wie vor 50 Jahren konnten sich die Politiker am Sonntag nicht freuen: Bei der Rekonstruktion der historischen Szene traten Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), Außenministerin Ursula Plassnik (V), Vizekanzler Hubert Gorbach (B) und die Vertreter der Signatarmächte auf den Balkon des Oberen Belvedere. Begrüßt wurden sie stattdessen, von Applaus, den Klängen der Bundeshymne und Sonnenschein vom Himmel.

Der offizielle Staatsakt im Marmorsaal des Belvederes wurde über zwei Videowände in den Schlosspark übertragen. Im Laufe des Vormittags hatte sich der Park immer mehr gefüllt, die Veranstalter schätzten die Menge zu Mittag auf mehr als 15.000 Besucher, die Polizei sprach von 7.000. Das Publikum lauschte den Reden der Politiker aufmerksam, mit viel Applaus wurde der Dank Plassniks an die Aufbaugeneration, besonders an die "Trümmerfrauen", bedacht. Einen Beifall wert war auch Fischers Feststellung, dass Österreich und Europa kein Gegensatz seien.

Privat verteilte Fahnen

Nur vereinzelt waren österreichische Fahnen zu sehen: Vier große Fahnen sowie rund 20 rot-weiß-rote Schals und 30 kleine Papierfahnen wurden nicht von den Veranstaltern ausgeteilt, sondern von vier jungen Wienern aus eigener Initiative. Für den 19-jährigen Matthias Zauner ist dies ein "berührender Augenblick". Er tue dies aus Patriotismus, und es sei ein Versäumnis der Veranstalter, keine Fahnen ausgeteilt zu haben, beschwerte er sich gegenüber der APA.

Das Programm zog durchaus Jung und Alt an. Die zehnjährige Barbara Friedrich feierte mit ihrer 77-jährigen Großmutter ihren Geburtstag im Schlosspark. "So besonders war das eigentlich nicht. Bewegender war da schon, als die Pummerin wieder zurück nach Wien kam", erzählte Herta Friedrich, die am 15. Mai 1955 nicht im Belvedere war, sondern einen Ausflug zur Burg Forchtenstein ins Burgenland machte. Heute habe sie ihrer Enkelin die Fotos von damals gezeigt sowie die Identitätskarte in den vier Besatzersprachen.

Selbstgebastelte Ortstafeln statt Flagge nahm der 29-jährige Marko Gabriel mit ins Belvedere: "Auch eine Form, Flagge zu zeigen." Mit den Ortstafeln "Rosenbach-Podrozca" und "Lessach-Lese" wolle der Kärntner Slowene auf die noch ungelösten Punkte des Staatsvertrags aufmerksam machen. (APA)

  • Festliche Dekoration im großen Marmorsaal, in dem der Staatsvertrag unterzeichnet wurde.
    foto: newald

    Festliche Dekoration im großen Marmorsaal, in dem der Staatsvertrag unterzeichnet wurde.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der berühmteste Balkon der Zweiten Republik: Antoine Pinay (Frankreich), Vyacheslav Molotov (SU), Dr. Leopold Figl (Österreich), John Foster Dulles USA) und Harold MacMillian (Großbritannien).

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Blick auf die Besuchermenge mit wehenden Fahnen und zweisprachigen Ortstafeln vor dem Schloß Belvedere.

Share if you care.