Kolumnöse Aufarbeitung der Aloe-Vera-Slipeinlage

19. Mai 2005, 11:49
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Nichts hat in letzter Zeit lauter nach kolumnöser Aufarbeitung geschrieen als die Aloe-Vera-Slipeinlage. Es war so ein Tag, da mir die Realitäten fehlten, aber dann kamst du, Aloe Vera, wahre Ware. Wir schauten gerade Spongebob, unsere Lieblingssendung, die mit dem scheinschwulen Schwamm, da sprang uns die Aloe-Vera-Slipeinlage vor die Linse und wedelte mit ihren Vorzügen. Und Damen glänzten, energetisiert wie nach einem Triple-Orgasmus, weil sie eine Aloe-Vera-Slipeinlage trugen. Dazu sagte jemand: "Man sieht's nicht, aber man sieht es." Ein Slogan wie aus dem Munde des Orakels von Delphi - geheimnisvoll, sibyllinisch, ewig. Nun, ich bin ja kein Unmensch, ich schreibe jetzt keine Spongebob-Nacherzählung, sondern ich erhöre dich, Vera.

Schon immer hab ich Slipeinlagen begrüßt. Es ist nett, wenn Damen ihre Private Parts schön in Watte hüllen, dass nur bloß nichts kaputtgeht, dass nur alles schön geschützt bleibt, warm und appetitlich sauber soll's das Lustprofitcenter haben. Wie ein gepflegtes Baby.

Leider hab ich aus eben diesem Grunde dann doch wieder Abstand von den Slipeinlagen genommen, wegen Regression, Rückfall in die Kindlichkeit. Ich bin ja eh so kindisch, denke ich immer, bei mir wäre das zu viel, und erwachsene Frauen greifen lieber zu Slips ouverts aus dem Boudoir in der Berggasse. Die Höschen haben ein Sommerloch, welches den linden Sommerwind einlässt, den Duft von Freiheit und Abwegen ...

Zurück zur Firma Johnson & Johnson, welche die Aloe-Vera-Slipeinlage produziert - meine Verehrung! Ich schätze Geschäftstüchtigkeit sehr. Außerdem haben die Menschen ein Recht darauf, von ihrem überflüssigen Geld befreit zu werden und dafür Sex zu bekommen. Wenn früher zwischen Baby und Inkontinenz Jahrzehnte ohne Watte lagen, Sie haben mit diesen harten Zeiten ein für alle Mal aufgeräumt. Heute sind endlich alle nicht mehr ganz dicht.

Doch wozu grade Aloe Vera auf die Watte? Warum wirkt es auf das Lustzentrum? Und warum sieht man es nicht? Moment - streicht man ein "a" und ein "e" aus dem Wort, bleibt "A lo v er" übrig. Ein heimlicher Lover. Man sieht ihn ja nicht, so gut hat er sich in der Aloe Vera versteckt. Wäre da nicht der Slogan "Man riecht's, aber man sieht es nicht" effizienter gewesen?

In der Aida hab ich neulich ein Stück Aloe-Vera-Torte gekostet und war nicht begeistert. Ich bin zur Cremeschnitte zurückgekehrt. Vermutlich sind alle aufrechten Wienerinnen zur Cremeschnitte zurückgekehrt, und die Aida hatte mehrere Tonnen Aloe Vera übrig. Auf eBay traf sich dann das Angebot "Mehrere Tonnen Aloe Vera" mit dem Angebot "Mehrere Paletten Slipeinlagen". J & J griff zu und träufelte das eine über das andere. Und schon kann man eine Reise ins Heimatland der Aloeveras, sprich: true lovers, gewinnen.

Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin (Der Standard/rondo/12/5/2005)

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