Magersucht bei Männern

29. Juli 2005, 20:17
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"Darüber spricht man(n) nicht": Der Bericht eines Betroffenen über ein Tabu - Buchtipp

Wien - Essstörungen sind eine versteckte Krankheit - vor allem bei Männern. Meist verbindet man mit Bulimie oder Magersucht junge Frauen, allerdings kann es durchaus auch das "starke Geschlecht" treffen, wie ein neues Buch zeigt: Der Kärntner Bernhard Wappis, beschreibt in "Darüber spricht man(n) nicht ...!" seinen Werdegang als Magersüchtiger und bietet Hilfsansätze. Das Buch wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz präsentiert.

Ein Leidensweg

Der 29-jährige Villacher litt selbst zehn Jahre lang an Magersucht und Bulimie. Sein Leidensweg begann schon sehr früh. Mit zwölf Jahren begannen seine Essstörung, allerdings in der entgegengesetzten Richtung: Bei einem Ferienaufenthalt ohne Eltern tröstete er sich über sein Heimweh mit Chips und Fischstäbchen hinweg. Schnell waren acht Kilogramm zugenommen, und Bernhard galt als "dick".

Als Jugendlicher setzte schließlich die Gegenreaktion ein: Bernhard merkte nach einer Abnehmphase, dass er schlank bei den MitschülerInnen viel besser ankam und begann daraufhin zu hungern. Zwei Äpfel und ein Joghurt mussten für einen ganzen Tag reichen. Ess-Brechsucht und die Verweigerung von Nahrungsaufnahme begleiteten ihn lange Jahre, erst eine Therapie, zu der ihn seine Freundin regelrecht zwingen musste, brachte endlich Hilfe.

"Frauenkrankheit"

Da gerade bei Männern die weithin als "Frauenkrankheit" gesehene Bulimie oder Magersucht als peinlich angesehen wird, gehen die Betroffenen oft sehr spät zu ÄrztInnen, sagte Wappis: "Das durchschnittliche Behandlungsalter liegt bei 32 Jahren."

Je später mit der Behandlung begonnen wird, desto größer sind allerdings die körperlichen Schäden, die die Essstörung mit sich bringen kann: Von Unfruchtbarkeit bei Frauen, Potenzstörungen oder Herz-Kreislaufbeschwerden reicht die Bandbreite.

Hohe Sterblichkeitsrate

Dazu kommt, dass die Sterblichkeitsrate bei Magersucht von allen psychischen Krankheiten am höchsten ist, sagte Rahel Jahoda von der Beratungsstelle "soWhat!": Statistisch gesehen sterbe ein Drittel der PatientInnen an den Folgen des Hungerns. Ein weiteres Drittel leide chronisch an der Krankheit, nur ein Drittel könne geheilt werden.

Rund zwei Prozent aller ÖsterreicherInnen leiden an Bulimie, rund 95 Prozent davon sind Frauen, sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V). Auch sie sieht ein Problem in der Behandlungswilligkeit der Männer: Diese würden sich "seltener oder später in psychotherapeutische Behandlung begeben, was die Heilungschancen einschränke." (APA)

Bernhard Wappis:
"Darüber spricht man(n) nicht ...!
Magersucht und Bulimie bei Männern"
BoD GmbH, Norderstedt
18,90 EUR
ISBN 3-8334-2744-2
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    foto: buchcover
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