Aufschwung - mit Mayonnaise

24. Mai 2005, 13:17
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"Die Sinalco-Epoche": Essen und Konsumieren in der Nachkriegszeit in einer Ausstellung im Wien Museum Karlsplatz

Wien - Wo gibt's das heute denn noch, das Hawaii-Schnitzerl? Dieses Fleisch mit der dekorativen, saftelnden Ananasscheibe drauf und vielleicht einen Gupf im Schöpflöffel gepresstes Risipisi dazu. Damals aber, in den 50er-Jahren, da war das schon was, diese exotische Anreicherung. Ein Symbol für: Es geht uns wieder gut, wir leisten uns was Besonderes, was Außergewöhnliches.

"Bei dieser Rückschau geht es in erster Linie darum, was auf dem Teller war", erläutert Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums. "Essen, Trinken, Konsumieren - das gehört zur innersten Zone dessen, ob wir glücklich sind oder nicht." Oder, wie es Susanne Breuss, Kuratorin der Ausstellung "Die Sinalco Epoche" im Wien Museum Karlsplatz formuliert: "Wir wollten den Magen als Gedächtnisort in die Jubiläumsfeierlichkeiten einbringen."

Tatsächlich dokumentiert kaum etwas besser den gewaltigen Wandel, der sich in nur wenigen Jahren nach der Stunde Null vollzog, als das Konsumverhalten. Die Not leidende Bevölkerung, die Hilfslieferungen ab 1945 - und in den 50ern dann schon Sinalco, Almdudler, PEZ und Revolutionäres wie "der wichtigste Schrank im Haus", der "Kühle Freund" - der Kühlschrank.

Dieser am Konsum ablesbare Wandel wird bis in die 70er-Jahre hinein mit Alltagsgegenständen und Dokumenten dargestellt. Und seien es auch damals noch selbstverständliche Stereotype wie der Mann als Erhalter - und die beschürzte Gattin als perfekte Hausfrau.

Auch wenn die Frau hier noch ausschließlich den Kochlöffel schwingt - es war ein gewaltiger Aufschwung damals, ins Wirtschaftswunder hinein. "Am besten zeigt das wohl der Schwung der Mayonnaise auf den Brötchen", meint Kos. "Der Schwung der Nachkriegszeit, das war auch der Schwung der Mayonnaisetube."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.5.2005)

Von Roman David-Freihsl

"Die Sinalco-Epoche. Essen, Trinken, Konsumieren nach 1945", Wien Museum Karlsplatz. 11. Mai bis 25. September, geöffnet Di bis So 9 bis 18 Uhr, Mittwoch 9 bis 20 Uhr.

  • Coca-Cola war Inbild des Aufschwungs - aber auch ein ambivalentes Symbol für Amerika- 
nisierung. Patriotische Getränke sollten dem entgegen-wirken.
    foto: wien museum

    Coca-Cola war Inbild des Aufschwungs - aber auch ein ambivalentes Symbol für Amerika- nisierung. Patriotische Getränke sollten dem entgegen-wirken.

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