Spektakulärer Schlag gegen Schlepper

16. Mai 2005, 19:17
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64 Personen bei internationaler Polizeiaktion verhaftet - Mini-Verstecke in Fahrzeugen - mit Grafik

Schlepper, Schläger, Schmuggler Spektakulärer Schlag gegen Schlepper: In einer internationalen Polizeiaktion wurden im In- und Ausland 64 Verdächtige festgenommen.

Wien - Die lückenlose Überwachung der Schengengrenze beziehungsweise der EU-Außengrenze bewirkt zwar einen Rückgang der illegalen Migration. Die scharfen Kontrollen führen aber auch dazu, dass Schlepper aufgrund des höheren Risikos, erwischt zu werden, mehr Geld verlangen. Außerdem hecken die Schleuser immer gefährlichere Verstecke aus, die für ihre "Kunden" leicht zu tödlichen Fallen werden können. Ein internationaler Schleppering konnte nun von der Polizei zerschlagen werden. Wie das Bundeskriminalamt (BK) am Donnerstag bekannt gab, wurden insgesamt 64 mutmaßliche Schlepper festgenommen, 59 davon in Österreich.

Die rumänisch-moldawisch-ukrainische Organisation soll in den vergangenen Jahren mehr als 5000 Menschen aus Osteuropa und Asien in den EU-Raum geschleust haben. Die illegalen Grenzgänger mussten nach Angaben des Bundeskriminalamtes bis zu 4000 Euro pro Schleppung zahlen. Um das Geld aufzubringen, hätten sie sich zum Teil zu Banden zusammengeschlossen, um durch Einbruchsdiebstähle das Geld zu beschaffen. Andere seien zu Schwarzarbeit gezwungen worden.

In Mini-Verstecken über Grenze gebracht

Die Geschleppten wurden zum Teil in Mini-Verstecken in Fahrzeugen über die Grenze gebracht. Wie DER STANDARD berichtete, sind in jüngster Zeit immer wieder Flüchtlinge entdeckt worden, die in kaum zwanzig Zentimeter hohe Hohlräume in umgebauten Fahrzeugen gepfercht und sogar eingeschweißt waren. Um sie in diese Verstecke pferchen zu können, soll von den Schleppern auch Gewalt angewendet worden sein - nach jüngsten Erkenntnissen der Ermittler kam es sogar zu Vergewaltigungen.

Major Gerald Tatzgern vom Schlepperreferat des BK berichtete, dass die Flüchtlinge - überwiegend Moldawier und Ukrainer - nicht nur in doppelten Böden von Fahrzeugen über die Grenzen gebracht worden seien, sondern zum Teil auch im Motorraum, nachdem der Motor entfernt worden war. Die Pkws wurden lediglich mit Hilfsmotoren unter dem Beifahrersitz ausgestattet, mit denen sie rund 50 km/h fahren konnten.

Multikriminell

Diese Methode wurde schließlich auch an einem deutsch-polnischen Grenzübergang festgestellt, was in Pirna zur Festnahme eines Deutschen und eines Rumänen führte. Festnahmen gab es auch in Polen, in Rumänien und Ungarn. Auf das Konto der Organisation soll eine Reihe weiterer krimineller Handlungen gehen: Von Zigaretten-und Drogenschmuggel über Diebstähle und Hehlerei über die Verbreitung gefälschter Euro-Banknoten bis zu Kreditbetrügereien, Dokumentenfälschung und Überfällen auf eine Bank und einen Juwelier in Wien. Zu Letzteren nannte Tatzgern unter Hinweis auf noch laufende Ermittlungen keine Details.

Die Ermittlungen wurden unter Leitung Österreichs vom SECI-Center in Budapest koordiniert, einem Zusammenschluss südosteuropäischer Staaten zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität. Die im Juni 2004 begonnene Polizeiaktion lief unter dem Namen "Operation Nistru" nach dem moldawischen Fluss, der teilweise die Grenze zur Ukraine bildet.

Im Vorjahr wurden in Österreich 957 Personen wegen des Verdachts der Schlepperei angezeigt, sie sollen rund 15.600 Menschen illegal ins Land gebracht haben. (APA, simo, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Mai 2005)

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    grafik: der standard
  • Eine junge Chinesin, in den engen Hohlraum hinter dem Armaturenverbau eines Autos gezwängt. Das Bild stammt von der bayrischen Polizei. Auch heimische Grenzbeamte entdecken immer mehr derartige lebensgefährliche Schlepperverstecke.
    foto: epa

    Eine junge Chinesin, in den engen Hohlraum hinter dem Armaturenverbau eines Autos gezwängt. Das Bild stammt von der bayrischen Polizei. Auch heimische Grenzbeamte entdecken immer mehr derartige lebensgefährliche Schlepperverstecke.

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