Musikrundschau: Große unbedankte Songwriter

13. Mai 2005, 14:09
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Neue Alben von den Noise-Metallikern British Sea Power und von einem Vic Chesnutt in Hochform

BRITISH SEA POWER
Open Season

(Rough Trade/Edel)
Die britischen Noise-Melancholiker haben den Melodieanteil im Gegensatz zum Vorgänger The Decline Of British Sea Power entschieden erhöht. Auch die pfeifenden und jaulenden und abweisende Lärmwände im Stile Sonic Youths aufziehenden Gitarren wurden zugunsten abgeklärter Brit-Pop-Schrubbeleien und einem Streicherensemble zurückgenommen. Von einem qualitativen Quantensprung Richtung songschreiberische Meisterschaft ganz abgesehen. Die 80er-Jahre lassen insofern grüßen, als der raspelige Gesang an die Psychedelic Furs erinnert und der gemächliche wie sensible Leidensgestus an Echo & The Bunnymen oder die australischen Tragöden The Triffids. Dieses Album könnte sich im Laufe des Jahres zu einem absoluten Liebling im CD-Player entwickeln.

VIC CHESNUTT
Ghetto Bells
(New West/Hoanzl)
Der große kleine US-amerikanische Songwriter befindet sich gerade in der Form seines Lebens. Das bedeutet, dass die gemeinsam mit Van Dyke Parks (Beach Boys) an den Tasten und Bill Frisell (einmal alles, plus Jazz) an den avantgardistischen Gitarren erarbeiteten Songs so gut wie immer klingen. Insbeson- dere der Eröffnungssong Virginia, der mit Orchester stark in Richtung Leonard Cohen zu Zeiten von Songs Of Love And Hate lappt. Allerdings wurde jetzt erstmals von Arrangeur Van Dyke Parks im Gegensatz zum früheren ,die Gitarre schnell einstöpseln, Aufnahmetaste drücken und fertig!' großer Wert auf ein differenzierteres Klangbild gelegt. Das freut Chesnutts treue Hörergemeinde nach früheren Meisterwerken wie West Of Rome oder Drunk ungemein. Am 30. 5. gastiert Chesnutt live in der Szene Wien. Pflichttermin!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.5.2005)

Von
Christian Schachinger
  • Vic Chesnutt: "Ghetto Bells"
    foto: new west

    Vic Chesnutt: "Ghetto Bells"

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