Neun Tote bei Polizeieinsatz gegen Demonstration

18. Mai 2005, 16:56
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Protestierende wollten Büros von Hilfsorganisationen stürmen - Aufregung über Koran-Schändung in Guantanamo

Kabul/Jakarta/Washington - Am vierten Tag schwerer anti-amerikanischer Ausschreitungen in Afghanistan sind mindestens neun Menschen getötet worden. Die britische BBC meldete, es handle sich um fünf Zivilisten und vier Polizisten. Nach den Freitagsgebeten sei es zu zahlreichen Protestkundgebungen gegen die angebliche Schändung des Koran durch US-Soldaten im Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba gekommen.

In den vergangenen Tagen waren bei anti-amerikanischen Unruhen in Afghanistan bereits mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Die US-Regierung rief Muslime in aller Welt zur Besonnenheit auf.

Auf der indonesischen Insel Sulawesi suchten Medienberichten zufolge dutzende Studenten in Hotels nach Amerikanern und ihren Verbündeten. In der Hauptstadt Jakarta versammelten sich etwa hundert Anhänger islamischer Gruppierungen, die eine Entschuldigung der USA forderten.

Indonesien ist gemessen an der Bevölkerungszahl das größte muslimische Land der Welt. Bei Demonstrationen in Pakistan forderten Vertreter des islamistischen Parteienbündnisses MMA, die diplomatischen Beziehungen zu den USA abzubrechen, sollte sich Washington nicht entschuldigen.

Der Zorn der Demonstranten hatte sich an Berichten entzündet, wonach US-Ermittler in Guantanamo Bay auf Kuba den Koran die Toilette heruntergespült hätten, um muslimische Häftlinge zum Reden zu bringen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice versprach eine volle Aufklärung der Vorwürfe. Rice sagte nach Medienberichten bei einer Kongressanhörung, die USA würden eine Verunglimpfung des Koran niemals dulden. Sollten sich entsprechende Berichte bestätigen, würden die Täter bestraft.

Bei den Protesten in Afghanistan wurden erneut Büros ausländischer Hilfsorganisationen angegriffen. Das Innenministerium in Kabul bestätigte den Tod von drei Menschen bei Demonstrationen in der nordostafghanischen Provinz Badakhshan. In der Provinzhauptstadt Feisabad ist die Bundeswehr stationiert.

In der nordwestafghanischen Provinz Badghis sollen Demonstranten wie zuvor in anderen Regionen Büros internationaler Hilfsorganisationen angegriffen haben. In der Hauptstadt Kabul demonstrierten rund 300 Studenten friedlich. (APA/dpa)

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    In Kabul wird eine US-Amerikanische Flagge verbrannt

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