Teheran will Wiederaufnahme der Urananreicherung verschieben

12. Mai 2005, 17:54
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Rückkehr zum Verhandlungstisch möglich - Scheitern der europäischen Vermittlungsgespräche würde UN-Sicherheitsrat auf den Plan rufen

Wien/New York - Die iranischen Absichten im Zusammenhang mit dem Atomprogramm Teherans bleiben weiterhin unklar. Der Iran erwäge ein Abrücken von seiner Drohung zur sofortigen Wiederaufnahme der Anreicherung von Uran, verlautete am Donnerstag aus Diplomatenkreisen am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Wegen einer Warnung europäischer Vermittler vor negativen Konsequenzen denke die iranische Regierung darüber nach, die Wiederaufnahme der Anreicherung zu verschieben, erklärte ein Diplomat. Mit der Formulierung "negative Konsequenzen" werden mögliche Sanktionen des Weltsicherheitsrats umschrieben.

Am Mittwochabend war ein iranischer Gesandter überraschend am Sitz IAEA eingetroffen. Wie Sirus Nasseri der Nachrichtenagentur AP telefonisch sagte, hat er eine Botschaft seiner Regierung an die IAEA bei sich. Zum Inhalt wollte er sich nicht äußern. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AFP einen "ranghohen Beamten" in Teheran mit der Ankündigung zitiert, ein "bedeutender Teil" der Konversion von Uran werde bald wieder aufgenommen.

EU will Iran noch abbringen

Die Europäische Union will den Iran nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA bzw. IAEO) durch Verhandlungen in letzter Minute von der angekündigte Wiederaufnahme von Teilen seines Atomprogramms abbringen. Seit Mittwoch liefen "intensive Verhandlungen" zwischen der EU-Troika aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien und dem Iran, verlautete am Donnerstag am IAEA-Sitz in Wien aus diplomatischen Kreisen. Die Verhandlungen könnten den Iran noch von einer offiziellen Ankündigung der Wiederaufnahme bei der IAEA abhalten, hieß es.

Laut einem Bericht der "Washington Post" vom Donnerstag ließen Berlin, Paris und London der iranischen Führung am Mittwoch einen scharfen Brief zukommen. Darin werde Teheran vor einer Wiederaufnahme der Urananreicherung gewarnt, berichtete das Blatt unter Berufung auf iranische Diplomaten. Die EU-Länder schlügen dem Iran darin auch ein Vierer-Treffen binnen zwei Wochen vor, um die jüngsten Entwicklungen zu erörtern.

Scheitern der europäischen Vermittlungsgespräche

Eine Wiederaufnahme der Urananreicherung würde wahrscheinlich das Scheitern der Vermittlungsgespräche mit den Europäern bedeuten, wie ein europäischer UN-Diplomat in New York sagte. Es wäre "ein klarer Bruch" einer mit Frankreich, Deutschland und Großbritannien getroffenen Vereinbarung, erklärte der Gewährsmann weiter.

Der Iran hat die Anreicherung von Uran im November ausgesetzt, sich aber das Recht vorbehalten, das Programm zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. In den vergangenen Tagen häuften sich die Hinweise auf eine Wiederaufnahme der entsprechenden Arbeiten. Vom Grad der Urananreicherung hängt es ab, ob das spaltbare Material lediglich für die Stromerzeugung oder auch zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden kann. Teheran hat stets versichert, sein Atomprogramm diene ausschließlich der Energiegewinnung.

Einschaltung des Sicherheitsrates

Falls die Verhandlungen der Europäer mit dem Iran scheitern, wollen die USA den UN-Sicherheitsrat einschalten. Dieser könnte Sanktionen gegen Teheran verhängen. Die USA werfen dem Iran vor, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. (APA/AP)

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IAEO

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    Uran-Aufbereitungsanlage nahe der Stadt Isfahan.

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