Ice, Ice, Baby!

13. Mai 2005, 10:42
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Swarovski hat sich eine neue Design-Strategie und -Organisation zugelegt und diese sogleich an der kommenden Herbst-Winter-Kollektion erprobt. Motto: Alles Eis

An ihnen kommt man wie gesagt nicht vorbei: den kristallenen Mäuschen, Schildkröten und anderen Vertreter der Fauna. Allen voran der Schwan, der im Logo von Swarovski stolz seinen Hals wölbt. Auch jenseits der Zoologie fand man bei Swarovski lohnende Formen. Kleine Lokomotiven mit Waggons etwa, allesamt in Kristall.

Das ist aber lange nicht alles. Da gibt's noch Schmuck, Täschchen und Brillen und . . . Diese haben auf der Verpackung zwar den selben Schriftzug wie die süße Maus und der stolze Schwan, standen bisher aber eher für sich selbst. Das rührt daher, "dass wir mit eine Reihe von Designern zusammengearbeitet haben, die einzelne Teile oder Kollektionen unabhängig voneinander entwickelt haben," erklärt Robert Buchbauer, Ururenkel des Firmengründers Daniel Swarovski, Mitglied des Executive Board und Chef der Abteilung "Consumers Goods Business", in deren Zuständigkeit sowohl die Tierchen, als auch Schmuck und Accessoires fallen.

Zwei Chefdesigner koordinieren die Gestaltung sämtlicher Produkte<7b>

Das voneinander unabhängige Entwerfen habe zum Teil zu Widersprüchlichkeiten geführt, meint Buchbauer, und deshalb habe man sich für eine neue Design-Strategie entschieden, "um Swarovski-Design für den Konsumenten nachvollziehbar zu machen." Und diese Strategie sieht folgendermaßen aus: Zwei Chefdesigner, Rosemarie Le Gallais und Darko Mladenovic, koordinieren die Gestaltung sämtlicher Produkte. Ein zentrales Thema wird formuliert, und daraus wird sich ein "Top-down-approach" ergeben, ein gestalterischer Domino-Effekt, der sich bis in die kleinsten Kollektions-Teile fortsetzt.

Kristall: Auf der Suche nach Maß und Gleichgewicht

Rosemarie Le Gallais bringt die Welt der Haute Couture ein. Ihr Gefühl für die Form hat sie in ihrer Tätigkeit für das französische Modehaus Chloe entwickelt und in fünfzehnjähriger Zusammenarbeit mit Karl Lagerfeld geschärft. Für Swarovski pflegt sie die intime Beziehung zwischen Kristall und Mode. Es gehe darum, für Objekte, die am Körper getragen werden, Kristall in Bewegung zu bringen, ihn "weiblicher" zu machen. Wichtig dabei ist, den Dingen das richtige Maß zu geben. "Man darf Kristall niemals überladen." Darko Mladenovic hingegen kommt aus der Welt der Objekte. Arbeiten für Christofle und Baccarat, Entwürfe für Leuchten und Glasobjekte prädestinieren ihn für einen Chef-Sessel im Swarovski-Atelier. Gestalterisch pflegt er einen metaphysischen Zugang: "Für mich ist Kunst das Schaffen von Gleichgewicht, die Suche nach einer bestimmten Form von Schönheit." Wobei seine Kunst aber auch Kommunikation sei, denn was den Menschen nichts sagt, wollen sie auch nicht kaufen.

Colliers wie Schneestürme, Ringe wie aus dem Eisblock

An der kommende Kollektion hat man die neu strukturierte Organisation erprobt und anhand des Themas "Eis" umgesetzt: Colliers wie Schneestürme, Ringe, wie aus dem Eisblock geschnitten, Vasen und Schalen mit firniger Oberfläche und kristallenen Akzenten und natürlich Tiere: Eisbären, Robben und ein Eisberg wie aus Amundsens Tagebuch.

Swarovski ist logischerweise mit dem Thema Kristall fix liiert. Wie verträgt sich das mit der mittlerweile allgemein akzeptierten Erkenntnis, dass alles Neue im Design vom Material und nicht von der Form ausgeht? "Das verträgt sich ausgezeichnet," meint Rosemarie Le Gallais. "Bei uns wird permanent Neues entwickelt. Eines der letzten Beispiele ist Crystal Fabric, ein Stoff, in den winzigkleine Kristallelemente verwoben sind. Das eröffnet eine Reihe neuer Designmöglichkeiten," fügt Buchbauer hinzu. (B.St., DER STANDARD, Rondo/13/05/2005)

  • Designer werken an einer neuen Strategie, ein Teilergebnis ist der Polarbär aus der Eis-Kollektion.
    foto: swarovski

    Designer werken an einer neuen Strategie, ein Teilergebnis ist der Polarbär aus der Eis-Kollektion.

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